Raiffeisens Not macht erfinderisch

Kommentar15. Juli 2013, 18:47
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Ob durch die Hereinnahme eines Partners oder geringere Dividenden an die Landesbanken: Der grüne Riese braucht Geld

Nein, Sorgen braucht man sich um Raiffeisen keine zu machen. Personalquerelen und Kapitalbedarf ändern nichts daran, dass der Sektor vermögend und mächtig ist. Manchen zu mächtig. Dennoch tut sich einiges beim grünen Riesen. Nicht nur die zuletzt häufig ans Tageslicht gekommenen Fehltritte einzelner Granden überraschen angesichts einer seit Jahrzehnten vorherrschenden Kultur, Probleme intern zu lösen (oder unter den Teppich zu kehren). Auch die Überlegungen der Bankengruppe, einen externen Partner hereinzuholen, können durchaus als Paradigmenwechsel bezeichnet werden.

Der hat nicht nur mit dem neuen Chef der Raiffeisen Bank International, Karl Sevelda, zu tun. Es wäre - bei allem Respekt vor dem Nachfolger von Herbert Stepic - vermessen zu glauben, dass ein Geldmanager dem Sektor strategische Entscheidungen diktieren könnte. Vielmehr sind Strukturprobleme, die nun offenbar zusehends erkannt werden, Grund für den Schwenk. Einerseits lassen schlechte Konjunktur (vor allem in Südosteuropa) und hohe Bankenabgabe ursprüngliche Pläne, Kapitallücken aus Gewinnrücklagen zu decken, platzen. Andererseits können Kapitalerhöhungen angesichts der bescheidenen Ertragslage der Landesbanken - sie geben den Ton bei der RZB/RBI-Gruppe an - und des mäßigen Interesses der institutionellen und privaten Investoren an Bankaktien alles andere als leicht gestemmt werden.

Bleibt also, sich extern nach Partnern umzusehen. Auch das dürfte kein leichtes Unterfangen werden. Erstens ist Raiffeisen beileibe nicht die einzige Bank auf Brautschau. Zweitens sind bei den niedrigen Kursen der RBI schon vergleichsweise niedrige Summen ausreichend, um relativ große Mitspracherechte zu erlangen. Eine Kapitalerhöhung in einer nennenswerten Größenordnung von beispielsweise zwei Milliarden Euro würde dem neuen Teilhaber bereits einen Anteil von einem Drittel zusichern. Das ist eine saure Gurke für einen Sektor, der gern im eigenen Saft brät. Doch Not macht eben erfinderisch.

Es ginge freilich auch anders. Würde die RZB bei den Dividenden an die Landesbanken etwas auf die Bremse steigen, könnten Kapitalprobleme auch intern gelöst werden. Doch die Landesbanken brauchen jeden Cent, um Kreditausfälle und Beteiligungsflops abzudecken. Da sollte jetzt endlich reiner Tisch gemacht werden. Ein bisschen Machtverlust kann sich Raiffeisen ruhig leisten. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 16.7.2013)

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