KPÖ: Regionales Phänomen ohne Ideologie-Etikett

15. Juli 2013, 18:42
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Die KPÖ ist längst zur fixen Größe in Graz und weiten Teilen der Obersteiermark geworden

Graz - In der Steiermark besetzen sie seit Jahren in mehreren Städten und Gemeinden Stadtsenatssitze und jede Menge Gemeinderäte und stellen eine Vizebürgermeisterin in Trofaiach, während sie überall sonst im Staat eine vernachlässigbare Splittergruppe sind: die Kommunisten.

Der Erklärungsversuch durch Nichtsteirer, dass der populäre ehemalige Wohnungsstadtrat von Graz, Ernest Kaltenegger, eben eine Ausnahmeerscheinung sei, ist Jahre nach dessen Rückzug aus der Politik obsolet geworden. Vor allem seit die langjährige Wohnungstadträtin Elke Kahr im November in Graz mit rund 20 Prozent ein Ergebnis einfuhr wie Kaltenegger in seinen besten Zeiten.

Kaltenegger war keine Ausnahme, die KPÖ ist längst zur fixen Größe in Graz und weiten Teilen der Obersteiermark geworden. Doch wen wählen KPÖ-Wähler eigentlich bei Nationalratswahlen? So viel steht fest: die KPÖ eher nicht. Die schneidet bei Nationalratswahlen in der Steiermark nicht sehr viel besser ab als bundesweit.

Kunterbuntes Spektrum

Abgesehen davon, dass die steirischen und die Wiener Kommunisten von jeher nicht gerade die dicksten Freunde sind, gibt es den "Fallbeileffekt", beschreibt Politikwissenschafter Peter Filzmaier das Wahlverhalten potenzieller KPÖ-Wähler: "Eine steirische Stimme für die KPÖ gilt als verlorene Stimme, weil sie es eh nicht ins Parlament schaffen."

Stattdessen wählen sie ein kunterbuntes Spektrum von allem anderem. Denn sie sind oft Protestwähler, und "Protest hat kein ideologisches Etikett" , so Filzmaier. Da gibt es jene, die FPÖ oder Stronach wählen, oder in der Obersteiermark jene, die Grüne und SPÖ wählen, während sie kommunal auf die "Kummerln" setzen.

Und selbst die ÖVP könne sich Stimmen aus dem KPÖ-Wählerpool erhoffen, sagt Filzmaier, gilt es doch "in Graz selbst in bürgerlichen Kreisen als schick, die KPÖ zu wählen". Aber eben nicht in den Nationalrat. (cms, DER STANDARD, 16.7.2013)

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