"Sie erinnert mich an einen Orang-Utan"

15. Juli 2013, 18:07
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Roberto Calderoli, für verbale Entgleisungen bekannt, hat die aus dem Kongo gebürtige italienische Ministerin Cécile Kyenge mit einem Primaten verglichen und damit für einen Sturm der Entrüstung gesorgt

Die Männer der Lega Nord lieben es oft derb und deftig. Und auf einem Parteifest, wie jenem am Sonntag in Treviglio bei Bergamo, wähnt man sich unter Gleichgesinnten - was Roberto Calderoli, stellvertretender Präsident des italienischen Senats, zu einer rassistischen Bemerkung über Integrationsministerin Cécile Kyenge verleitete: "Wenn ich Bilder der Ministerin sehe, erinnert sie mich automatisch an einen Orang-Utan", so Calderoli über die aus dem Kongo stammende Ärztin.

Die verbale Entgleisung machte die Runde und löste einen Sturm der Entrüstung aus. Regierungschef Enrico Letta sprach von einer "unentschuldbaren Beleidigung", Staatspräsident Giorgio Napolitano äußerte "Betroffenheit und Empörung" und kritisierte eine "wachsende Barbarisierung des zivilen Lebens". Forderungen nach seinem Rücktritt lehnte Calderoli ab, entschuldigte sich aber schließlich telefonisch bei der Ministerin. Es habe sich bloß um eine "witzige Bemerkung ohne beleidigende Absicht" gehandelt.

Kyenge sagte im Corriere della Sera, sie sei "via Internet und am Telefon täglich Opfer von Beschimpfungen und Morddrohungen". Das könne sie aber nicht einschüchtern. "Gewisse Angriffe gelten in Italien vor allem Frauen. Doch es ist kein rassistisches Land. Ich werde in den meisten Städten freundlich aufgenommen", so die 49-jährige Augenärztin, die auf eine Reform des Ausländerrechts hinarbeitet.

Opfer von Rassismus

Kyenge war in den vergangenen Monaten vor allem aus den Reihen der Lega Nord Ziel heftiger Verbalattacken. So beschimpfte sie der EU-Parlamentarier Mario Borghezio als "Bongo-Bongo-Ministerin", "die Italien ihre Stammestraditionen aufzwingen" wolle. Borghezio wurde in der Folge aus der liberalen Fraktion ausgeschlossen. Für Empörung sorgte auch Dolores Valandro, Gemeinderätin aus Padua, die Kyenge mit dem Vergewaltigungsdelikt eines afrikanischen Einwanderers in Verbindung brachte: "Warum vergewaltigt denn niemand diese Ministerin, damit sie weiß, wie sich das anfühlt?"

Doch auch im jüngsten Fall akzeptierte die in Castelfranco Emilia lebende Ministerin die Entschuldigung", legte Calderoli jedoch einen Rücktritt nahe.

In seiner 25-jährigen Laufbahn sorgte Calderoli schon oft für Proteste. 2006 musste er als Minister zurücktreten, nachdem er sich in einem T-Shirt mit islamfeindlichen Karikaturen präsentiert hatte. Beim anschließenden Angriff empörter Muslime auf die italienische Botschaft in Bengasi kamen elf Menschen ums Leben.

Für Aufregung sorgte auch seine Äußerung, die "Homo-Kultur habe Padanien in einen Tummelplatz von Schwulärschen" verwandelt. Als Heilmittel für Pädophile empfahl der derbe Lega-Minister "eine Schere". Italiens WM-Sieg über Frankreich 2006 führte er auf die Tatsache zurück, dass die Franzosen ein Team von "Negern, Muslimen und Kommunisten" ins Feld geschickt hätten.

Seinen absoluten Gehorsam gegenüber dem langjährigen Lega-Chef Umberto Bossi beschrieb Calderoli folgendermaßen: "Wenn er mir befiehlt, von einer Brücke zu springen, dann springe ich." (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 16.7.2013)

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    Seit ihrer Ernennung zur Ministerin für Integration wurde Cécile Kyenge schon oft Opfer rassistischer Bemerkungen.

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    Zuletzt sorgte Roberto Calderoli für einen Eklat.

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