Stammesfehden schaden auch OMV in Libyen

15. Juli 2013, 17:44
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Regionale Konflikte bremsen zunehmend die Entwicklung im Land. Westliche Konzerne leiden verstärkt darunter

Tripolis/Wien - Libyen wird von der Vergangenheit eingeholt. Weil viele Menschen immer noch auf die Auszahlung von Löhnen und Abfertigungen während des Revolutionsjahres 2011 warten, kommt es immer wieder zu Streiks und Protesten. Besonders betroffen ist die Mineralölindustrie, die für gut 95 Prozent der Staatseinnahmen verantwortlich und entsprechend verwundbar ist. Davon kann auch die OMV ein Lied singen.

Erst dieses Wochenende konnte der Mineralölkonzern, der seit knapp 30 Jahren in Libyen tätig ist, seine Produktion im Murzuk-Becken nach fast dreiwöchiger Unterbrechung wieder hochfahren. Und es war nicht die einzige Zwangspause seit Installation der Übergangsregierung in Tripolis, die inzwischen auch schon einige Male gewechselt hat. Wertberichtigungen seien in Libyen aber nicht erforderlich gewesen, selbst nach dem Stillstand der Anlagen unmittelbar nach dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar Gaddafi nicht, sagte ein OMV-Sprecher dem Standard.

Förderrate geht zurück

Die OMV ist in Libyen an zwei Feldern beteiligt: an Murzuk, bei dem die spanische Repsol Betriebsführer ist, und im Sirte-Becken mit dem US-Unternehmen Occidental als Operator. Zehn Prozent der OMV-Eigenförderung von gut 300.000 Fass am Tag (je 159 Liter) stammen aus Libyen.

Der Wüstenstaat ist gesegnet mit Kohlenwasserstoffen. Kein anderes Land in Afrika verfügt über vergleichbar hohe Reserven. Weltweit sind es die neuntgrößten. Weil in den vergangenen 2,5 Jahren keine neue Förderkonzession vergeben wurde, droht dem Land ein Einnahmenschwund.

"Die Förderrate in den alten Feldern geht zurück, neue werden nicht in Betrieb genommen. Das schmälert über kurz oder lang die Einnahmen," prophezeit der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Tripolis, David Bachmann. "Vor dem Sturz Gaddafis wurden 1,6 Mio. Fass am Tag gefördert, jetzt sind es 1,2 Mio. Fass am Tag und manchmal nur eine Million."

Hohe Finanzreserven

Dennoch stehe Libyen vergleichsweise gut da. "Mit 200 Milliarden Dollar an Finanzreserven und einem Jahresbudget von 40 Milliarden kann Libyen fünf Jahre durchhalten, ohne auch nur einen einzigen Tropfen Öl zu verkaufen", sagte Bachmann.

Die labile Situation im Land sei auf ein Versäumnis der Zentralregierung zurückzuführen, Strukturen bis in den letzten Winkel wiederherzustellen. Die Armee sei dabei, diverse Sicherheitsdienste abzulösen. Damit könnte ein weiteres Problem bereinigt werden, das der Schutzgelderpressung. (Günther Strobl, DER STANDARD, 16.7.2013)

  • Rohölförderung im libyschen Wüstensand. Immer wieder kommt es zu Streiks.
    foto: omv

    Rohölförderung im libyschen Wüstensand. Immer wieder kommt es zu Streiks.

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