Raiffeisen Bank ist auf Brautschau

15. Juli 2013, 17:27
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Der hohe Kapitalbedarf macht die Hereinnahme eines Partners bei der Raiffeisen Bank International immer wahrscheinlicher

Wien - Mit Karl Sevelda an der Spitze der Raiffeisen Bank International (RBI) dürfte sich nicht nur personell einiges verändert haben. Dass er im Standard-Interview offen die Hereinnahme eines Partners ansprach, kann man getrost als Strategiewechsel bezeichnen. Bisher war die Rede lediglich von einer Kapitalerhöhung, nach der Hauptaktionär Raiffeisen Zentralbank (RZB) abgesehen vom Streubesitz weiterhin allein das Sagen gehabt hätte.

Russische Banken interessiert

Einer der Hintergründe für die Ansage des Nachfolgers von Herbert Stepic in der RBI-Chefetage dürfte die mäßige Entwicklung in den Raiffeisen Landesbanken sein. Vor allem in Niederösterreich/Wien, Oberösterreich und der Steiermark haben sich zuletzt Problemfälle mit Kreditkunden und Beteiligungen gehäuft. Ohne kräftige Dividenden der RZB würden ihre Gewinne schrumpfen oder gar in Verluste mutieren. Dazu kommt, dass das riesige Beteiligungsgeflecht der Nieder- und Oberösterreicher noch die eine oder andere negative Überraschung bergen könnte, meinen Eingeweihte.

Jedenfalls beginnt nun das große Rätselraten über die Brautwahl. In den Augen von Bankenaufsehern wäre die Hereinnahme eines Partners "die einzige Lösung" der Kapitalproblematik bei der RBI. Wichtig sei nur die Preisfrage und damit verbunden der optimale Zeitpunkt für einen Verkauf. In der Begrenzung auf zehn Prozent (so viel dürfte Sevelda gemäß derzeitiger Beschlusslage verkaufen) sehen Kapitalmarkt- und Bank-Experten nur einen ersten Schritt, eine Ausweitung auf 25 Prozent würde wohl folgen, vermuten sie. Darüber würde man die Interessenten wohl auch im Vorhinein informieren. Als potenzielle Käufer kommen strategische Partner infrage, Banken etwa aus Russland oder Emerging Marktes, die zunächst einmal mit kleinen Beteiligungen in Europa einsteigen möchten. Investoren interessieren sich derzeit eher nicht für Banken.

Erste erhöhte den Druck

Ihnen sind die Zukunft und Verdienstmöglichkeiten in der Bankenbranche momentan zu ungewiss. Raiffeisen muss sich laut Insidern aber zudem überlegen, von welchen Märkten man sich trennen muss. Das Problem dabei: Es gibt mehrere Banken, die sich von ihrem Geschäft etwa in Kroatien, Serbien oder in der Ukraine trennen wollen; die Nachfrage hält sich dagegen in Grenzen.

Von der Idee her würde zum Beispiel die deutsche DZ-Gruppe gut zum Genossenschaftskollegen Raiffeisen passen. Allerdings hat sich die gerade mit ihrer Beteiligung an der ÖVAG eine blutige Nase geholt, zudem bereitet die Gruppe derzeit eine Kapitalerhöhung bei ihren Genossenschaften vor.

Den Druck auf Raiffeisen erhöht hat die Erste Group, die nach der Durchführung einer Kapitalerhöhung ihr staatliches Partizipationskapital zurückzahlt. Die RZB-Gruppe hat 2,6 Mrd. staatliches und privates PS-Kapital eingesammelt. Bei einem Börsenwert der RBI von vier Mrd. Euro kann man sich leicht ausrechnen, dass der neue Partner einen maßgeblichen Anteil an der Bankengruppe halten dürfte. Allerdings hat sie auch die Option, die Rückzahlung des PS-Kapitals durch die Aufgabe von Geschäft und die Steigerung der Ertragslage zu kompensieren. Slowenien und Ungarn hat Sevelda angesprochen. Die Straffung der Kostenstruktur steht ohnehin schon länger auf dem Programm. (gras, DER STANDARD, 16.7.2013)

  • Wen angelt der neue RBI-Chef Karl Sevelda als Geldgeber für seine Bank? Einstweilen bleibt der Platz neben ihm frei.
    foto: standard/cremer

    Wen angelt der neue RBI-Chef Karl Sevelda als Geldgeber für seine Bank? Einstweilen bleibt der Platz neben ihm frei.

  • Geld einsameln geht bei Raiffeisen derzeit gar nicht spielerisch vonstatten. Wenn der Topf nicht von den Genossenschaftern gefüllt wird, muss ein neuer Partner her. Über dessen mögliche Identität kann derzeit nur gerätselt werden.
    foto: rlb steiermark/foto fischer

    Geld einsameln geht bei Raiffeisen derzeit gar nicht spielerisch vonstatten. Wenn der Topf nicht von den Genossenschaftern gefüllt wird, muss ein neuer Partner her. Über dessen mögliche Identität kann derzeit nur gerätselt werden.

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