Edlinger: "Wir sind doch nur ein Fußballverein"

15. Juli 2013, 16:56
462 Postings

Die Probleme in Hütteldorf werden zur endlosen Geschichte. Präsident Edlinger wird die letzten Monate seiner Amtszeit zwar nicht genießen, aber tapfer überstehen

Wien/Linz - Rapid schwelgt quasi im Superlativ, und dabei startet die Meisterschaft erst am Wochenende in Wolfsberg. "Blöder kann man eine Saison nicht beginnen", sagte Präsident Rudolf Edlinger am Tag nach dem Scheitern in der ersten Cuprunde am LASK. Der hat ebenfalls Tradition, ist in der Regionalliga Mitte eine Macht. "Das ist der Fußball. Schießt man keine Tore, gewinnt man nicht." Im Elferschießen haben die Hütteldorfer natürlich getroffen, allerdings nur viermal, die Linzer fünfmal. Edlinger: "Man darf das Ausscheiden nicht bagatellisieren. Aber wir haben trotzdem eine talentierte Mannschaft, die ihren Weg noch gehen wird."

Trainer Zoran Barisic ging sogar einen kühnen Schritt weiter. "Etwas Großes beginnt meistens schlecht. Wir sind dominant aufgetreten, werden weiterarbeiten und lassen uns nicht deppert machen." Barisic genießt das Vertrauen von Edlinger. Sportdirektor Helmut Schulte detto. "Sehr gute Leute. Und Manager Werner Kuhn lasse ich mir von den Fans sicher nicht rausschießen. Das ginge viel zu weit. Wir sind doch nur ein Fußballverein."

Edlinger hört im November auf. Nach zwölf Jahren. "Wie vorgesehen." An die zwei Meistertitel werde man sich vielleicht später einmal erinnern. "Das verblasst. Der letzte Eindruck ist der bleibende. Und der ist nicht gut. Das nehme ich zur Kenntnis, ich bin nicht beleidigt. Der Fußball ist halt eine emotionale Geschichte. Rapid steckt momentan in einer Talsohle. Das kommt leider immer wieder vor." Der Präsident erinnerte an das Jahr 2004, an den Ausstieg der Bank Austria. "Die Lage war ärger, nur wurde sie von den Medien und den Fans als nicht so schlimm gesehen."

Petsos verpflichtet

Der 73-jährige Edlinger hätte in seiner Amtszeit noch gerne die Stadionfrage geklärt - Sanierung oder Neubau des Hanappi. "Geht sich nicht aus. Die Ausschreibung dauert länger als gedacht, die Unterlagen sind noch nicht konkret genug, seriöse Zahlen, was die Kosten betrifft, fehlen." Sein Nachfolger stehe noch nicht fest. Erich Kirisits, der General Manager von Rank Xerox, wäre aber ein geeigneter Mann. "Es kann nicht jeder Rapid-Präsident werden, er muss mit der Wirtschaft vernetzt sein. Kirisits ist das."

Rapid ist zwar nicht pleite, hat aber kein Geld. Auf dem Transfermarkt war man ungefähr so aktiv wie Wiener Neustadt, immerhin wurde der Grieche Thanos Petsos (22 / zuletzt Greuther Fürth) fürs Mittelfeld verpflichtet. Am Abend stellte sich Edlinger den Vertretern der Fanklubs für "hitzige Diskussionen".

"Es ist ein Teufelskreis"

Rapid wird reformiert, bekommt neue Statuten, die Kampfmannschaft soll künftig als Kapitalgesellschaft geführt werden. Dass Lokalrivale Austria weit besser aufgestellt ist, sei nicht zu leugnen. "Sie haben auch keinen Sponsor verloren." Rapid ist Orange abhandengekommen. "Die Brieftaschen der Firmen sitzen nicht mehr so locker. Und bei der negativen Stimmung, die im Verein herrscht, ist die Suche halt noch schwieriger. Es ist ein Teufelskreis."

Im Fußball sei vieles nicht planbar. So wurde der Vertrag mit Trainer Peter Schöttel verlängert, daraufhin gab es neun sieglose Partien und als Höhepunkt das Cup-Viertelfinalout gegen den späteren Sieger Pasching. Schöttel wurde gefeuert, belastet das Budget. "Im Nachhinein ist man immer gescheiter." Prinzipiell weiß Edlinger, wie es geht. "Gewinnt die Mannschaft regelmäßig, sind zwar nicht alle Probleme gelöst. Aber einige." (Christian Hackl, DER STANDARD, 16.07.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Edlinger: "Im Nachhinein ist man immer gescheiter."

Share if you care.