Wahnhafte Legenden wie "Ich bin ein Pferd"

15. Juli 2013, 17:13
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Phil Hayes bei Impulstanz und mit Maria Jerez und Thomas Kasebacher bei der Sommerszene Salzburg

Wien - Wie unheimlich gut Tanz und Theater miteinander funktionieren können, war gerade bei der Sommerszene Salzburg und beim Wiener Impulstanz-Festival abzulesen: in zwei Stücken, bei denen der in der Schweiz lebende britische Performer, Regisseur und Musiker Phil Hayes mitwirkt. Die Sommerszene zeigte ihn in Zusammenarbeit mit der Spanierin Maria Jerez und dem Österreicher Thomas Kasebacher bei Legends & Rumours . Und Impulstanz mit Simone Aughterlony in Show and Tell.

Hayes ist bekannt durch seine Parts in The Coming Storm und The Last Adventures, beides Arbeiten der legendären Gruppe Forced Entertainment aus Sheffield unter der Leitung von Tim Etchells. Etchells höchstselbst wird übrigens morgen Mittwoch bei Impulstanz in Philipp Gehmachers Uraufführung von Say something im Burgtheater auftreten. Und The Last Adventures kommt im Jänner 2014 ins Tanzquartier Wien.

In Legends & Rumours verbringen drei Personen viel Zeit damit, eine gemeinsam erlebte Szene nachzustellen. Geste für Geste, Satz für Satz wird versucht, das Erlebnis zu rekonstruieren. Dabei geht es auch darum, wie munter Gedächtnisse zu Streichen aufgelegt sein können. Vor allem aber versuchen die Frau und die zwei Männer der eher banalen Begebenheit eine unglaubliche Bedeutung zu verleihen. Daher steigern sie sich in einen wahren Reenactment-Wahn hinein. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass dies ein Seitenhieb auf die im derzeit im Tanz so wichtig genommene Rekonstruktion historischer Stücke sein könnte. Hayes, Jerez und Kasebacher liefern eine beglückend gut gespielte Performance ab.

Auch bei Show and Tell ist ein gerüttelt Maß an Ironie im Spiel. Hier kommt es aber mit härteren Bandagen daher. Simone Aughterlony und Phil Hayes erzählen in Bewegungen und Worten von den Wahrheiten und Lügen, die sich um die Biografien ihrer Körper ranken. Da sich der Körper in Bezug auf Versuche, ihn in Regelwerke zu pressen, stets widersprüchlich verhält, gerät das Paar in heikle Thematiken.

Eine davon ist die altägyptische Legende von dem zerstückelten Gottkönig Osiris, die von Aughterlony als Kastrationsfantasie gedeutet wird. Eine andere, wenn Hayes ein Größenwahn erfasst, an dessen Höhepunkt er ruft: "I am horse." Das Tierische am Körper führt in diesem so irritierenden wie brillanten Stück zu Metaphern, deren Appetitlichkeit der ganzen Wirklichkeit des Körpers entspricht. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 16.7.2013)

  • "Show and Tell": Simone Aughterlony, Phil Hayes.
    foto: jorge león

    "Show and Tell": Simone Aughterlony, Phil Hayes.

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