Froome im Kampf gegen den Dopingverdacht

15. Juli 2013, 16:30
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Verblüffender Antritt des Tour-Führenden im Anstieg zum Mont Ventoux am Sonntag ließ Zweifel neu aufleben

Orange - Christopher Froome hörte geduldig zu, verteidigte sich vehement - und wollte am Ende nur noch schnell weg. Raus aus dem Mannschaftshotel, auf sein Rad, zum Training am Ruhetag der 100. Tour de France - die zehrenden Dopingverdächtigungen weit hinter sich lassen. Wie schon nach seinem unwirklich erscheinenden Sturm nach Ax-3-Domaines stand der überlegene Gesamtführende der Frankreich-Rundfahrt auch nach seinem Ritt auf den den Mont Ventoux am Sonntag im Zentrum bohrender Fragen. "Es ist traurig, hier am Tag nach dem größten Erfolg meiner Karriere zu sitzen und über Doping zu reden. Man beschuldigt mich, ein Lügner und Betrüger zu sein, das ist nicht cool", sagte der 28-Jährige.

Wissenschaftler mit Bauchweh

Auch dass sein Sky-Teamchef Dave Brailsford zunehmend genervt auf das Thema reagiert, wird die Forderung nach überzeugenden Argumenten nicht verschwinden lassen. "Es ist 10 Uhr am Ruhetag, und ich muss uns verteidigen, obwohl wir nichts falsch gemacht haben", sagte Brailsford. Doch die Art und Weise, wie sein Schützling im Anstieg den Konkurrenten Alberto Contador stehen ließ, verunsicherte viele.

Etwa den Mediziner Andreas Greiwing vom Zentrum für Sportmedizin der Universität Münster, der bei diesen Bildern "Bauchschmerzen" hat. "Die Trainingswissenschaft hat nicht solche Schritte gemacht", sagte er. Gleichwohl gibt Greiwing zu bedenken, dass es möglich sei, dass Froome sauber fahre. "Der Verdacht liegt zwar nahe, aber mit genetischen Voraussetzungen und Training sind solche Leistungen theoretisch erklärbar."

Contador: Er ist sauber

Rückendeckung erhielt Froome ausgerechnet von Contador. "Er fährt auf einem sehr hohen Niveau, das hat er die ganze Saison bewiesen. Heute erntet er die Früchte seiner Arbeit und er macht das sauber. Er ist ein großer Profi", so der Spanier. Es gebe keinen Grund, an Froome zu zweifeln, auch wenn es derzeit unmöglich sei, ihn eins gegen eins zu schlagen. "

"Sie können sich alles anschauen"

Brailsford argumentierte, der Auftritt am Mont Ventoux sei generalstabsmäßig geplant gewesen. Man habe den Berg intensiv studiert. "Sagt uns, was wir tun können, um unsere Unschuld zu beweisen und die Zweifel zu beseitigen." Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) könne alle denkbaren Daten einsehen und über lange Zeit sammeln. "Die WADA-Experten können sich alles anschauen, die Leistungsdaten, das Gewicht, was wir trainieren und wo wir trainieren - das gesamte Bild wie beim Blutpass. Sie können dann der Welt beweisen, ob die Daten glaubwürdig sind oder nicht."

"Ich lüge nicht"

Es sei ein langer Kampf gewesen, dieses Niveau zu erreichen, sagte Froome, dessen Zeit auf den Gipfel nur von Lance Armstrong und Marco Pantani in der Hochzeit des Epo- und Blutdopings unterboten worden war. "Ich weiß, was ich dafür getan habe, und ich bin extrem stolz darauf. Das ist das Ergebnis von extrem harter Arbeit", sagte der gebürtige Kenianer.

Und auch, dass Vergleiche seiner Leistungen mit denen des gestürzten Stars Lance Armstrong nicht zulässig seien: "Ich kann nur offen sein. Lance hat gelogen, aber ich lüge nicht." (sid/red, derStandard.at, 15.7.2013)

  • Froome vs. Contador am Mont Ventoux ...

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    ... und der Gang des Sky-Profis danach.

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