Behörde: ORF darf auf TVthek werben

15. Juli 2013, 18:21
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KommAustria erlaubt dem ORF per Bescheid Bannerwerbung - Einschränkungen betreffen Nachrichten und Kindersendungen - Dokus dürfen künftig länger online bleiben

Wien - Frank Stronachs Auftritt bei Armin Wolf in der "ZiB 2", aktuelle Nachrichten über das Hochwasser im Juni und Sidos Watsche in "Chili" sind die meistabgerufenen Sendungen in der TVthek (siehe Tabelle). Wer sie nicht im Fernsehen, sondern am PC sehen möchte, konnte dies - wie bei sämtlichen Angeboten der Videoplattform - ohne Werbeeinschaltungen tun. Ein Bescheid der Medienbehörde KommAustria hebt diesen werbefreien Zustand nun weitgehend auf. Einschaltungen in Form von Bannerwerbung - der im Web am häufigsten gebuchten Werbeform - sind dem österreichischen Rundfunk künftig erlaubt.

Allerdings nicht auf allen Angeboten. Keine Onlinewerbung darf der ORF auf der TVThek laut Medienbehörde schalten bei:

  • Nachrichten und Sendungen zur politischen Information.
  • Kindersendungen: Sie bleiben auf der TVthek gänzlich werbefrei.
  • Live-Streams, wann immer im Fernsehen zeitgleich Werbung läuft. Unterbrecherwerbung unterliegt generell den Regeln wie im TV.

Wenn sich Nutzer mit sogenannten Ad-Blockern versorgen, können sie Werbung auf dem Videoportal ausblenden. Der ORF darf sie nicht daran hindern.

Längere Abrufzeiträume

Inhaltlich erlaubt die Medienbehörde eine Erweiterung der TVthek: Gefallen ist laut Bescheid die Siebentageregel bei eigen-, ko- oder auftragsproduzierten Sendereihen. Liegen deren Ausgaben länger als sieben Tage auseinander, sind sie künftig 30 Tage abrufbar.

Mehr Programm

Künftig dürfen auch Fremdproduktionen gezeigt werden, sofern sie dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag entsprechen, gemeint sind Produktionen, Dokus und Reportagen, bei denen der ORF Koproduzent ist, etwa "Universum". Zeithistorisch relevante Sendungen dürfen überhaupt auf unbestimmte Zeit in der TVthek stehen.

"Marktdominante Stellung"

ATV und Seven One Media protestierten in Stellungnahmen. Werbung auf der TVthek sei mit dem ORF-Gesetz "unvereinbar" und "marktverzerrend". Ein Gutachten des ORF schätzte das Umsatzpotenzial der TVthek auf 800.000 Euro. Das ATV-Gutachten schätzt es doppelt so hoch ein. ATV rechnet mit negativen Auswirkungen auf die Schaltungen bei Privatsendern. Der ORF erhalte "eine marktdominante Stellung", argumentiert SevenOne Media laut Bescheid. Unbegründet, entgegnete der ORF in einer Stellungnahme, aufgrund Selbstbeschränkungen.

Der Bescheid ist erst rechtskräftig, wenn innerhalb von zwei Wochen weder ORF noch Bundeswettbewerbsbehörde, die in diesem Verfahren Parteienstellung hat, Berufung einlegen. (prie, DER STANDARD, 16.7.2013)

Reaktion: Privatsender nicht "hundertprozentig glücklich"

Beim Verband Österreicher Privatsender (VÖP) ist man froh, dass es der Bundeswettbewerbsbehörde, die hier den Markt vertritt, gelungen sei, doch ein paar Einschränkungen durchzusetzen, so VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm. Hundertprozentig glücklich sei man freilich nicht, denn "nur ein Totalverbot der Bewegtbildwerbung auf der TVthek hätte geholfen, die nachteiligen Auswirkungen auf den Markt zu verhindern".

Grundsätzlich müsse man damit rechnen, "dass der Onlinemarkt durch die Bewegtbildwerbung des ORF beschädigt wird", so Drumm. Dass aber bei einem Auftragsvorprüfungsverfahren eine Werbeausweitung des ORF gestattet wird, die den Markt stark beschädigt, könne nicht im Sinn des Gesetz sein - deshalb fordert der VÖP hier eine Gesetzesänderung. (APA/red, derStandard.at, 15.7.2013)

Link

tvthek.orf.at

  • Künftig auch mit "kommerzieller Kommunikation": ORF-TVthek
    foto: screenshot tvthek.orf.at

    Künftig auch mit "kommerzieller Kommunikation": ORF-TVthek

  • Grafik: Die zugriffsstarken Nachrichten bleiben auf der ORF-TVthek auch in Zukunft vollkommen frei von Werbung.
    grafik: standard

    Grafik: Die zugriffsstarken Nachrichten bleiben auf der ORF-TVthek auch in Zukunft vollkommen frei von Werbung.

  • Der Bescheid der KommAustria im Wortlaut.

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