Erster hoher US-Besuch nach Putsch

16. Juli 2013, 12:25
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US-Vizeaußenminister William Burns traf in Kairo mit dem ägyptischen Verteidigungsminister Sisi zusammen

Über zwei Stunden dauerte am Montag das Treffen von US-Vizeaußenminister William Burns mit dem ägyptischen Verteidigungsminister, General Abdel-Fattah al-Sisi. Dabei habe Sisi seinem Gast erläutert, dass die Armee bloß den Willen des Volkes erfüllt habe, schilderte die Zeitung al-Ahram auf ihrer Webseite den Gesprächsverlauf. Sie habe nicht aus eigenem Antrieb gehandelt; die Absetzung von Präsident Mohammed Morsi sei ein Diktat des Volkes gewesen; das Militär gedenke nicht, in die Welt der Politik einzutreten.

Burns war der erste hochrangige US-Vertreter in Kairo nach dem Putsch vom 3. Juli. Washingtons Reaktion auf die Ereignisse wird von ägyptischen Medien bisher als "konfus" bezeichnet.

Burns: Ende der Gewalt

Burns habe seine Wertschätzung gegenüber der ägyptischen Armee und ihrer Antwort auf den "Willen des Volkes" ausgedrückt und sie gleichzeitig aufgefordert, alle Gewalt zu beenden und im Transformationsprozess alle Kräfte einzuschließen, so al-Ahram. Die salafistische Nur-Partei lehnte ein Treffen mit Burns ab - ein Protest gegen die "Einmischung" in innere Angelegenheiten.

Tatsächlich war zuletzt niemand glücklich über die US-Politik: Die Morsi-Gegner werfen den USA vor, die Regierung der Muslimbrüder gestützt zu haben; seine Anhänger kritisieren, man habe den Militärputsch akzeptiert und einen demokratisch gewählten Präsidenten fallenlassen.

Am Sonntag öffnete nach zwei Wochen die US-Botschaft in Kairo ihre Tore wieder. Die USA unterstützen Ägypten jährlich mit 1,5 Milliarden Dollar, wobei der Löwenanteil von rund 1,3 Milliarden der Armee zugutekommt.

Seit dem Sturz Morsis nimmt die Gewalt auf der Sinai-Halbinsel stetig zu. Am Montag wurden drei Personen getötet und mindestens 17 verletzt, als Militante einen Bus mit Granaten beschossen. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 16.7.2013)

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