Expertin zu Lehrergewerkschaft: "Haben nur eigene Klientel im Auge"

15. Juli 2013, 10:57
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Die ehemalige AHS-Direktorin Heidi Schrodt übt scharfe Kritik an der AHS- und BHS-Lehrergewerkschaft - An eine Einigung bei den Lehrerdienstrechts-Verhandlungen glaubt sie nicht

Auch bei der 31. Runde zu den Lehrerdienstrechts-Verhandlungen wird es wohl zu keiner Einigung kommen, meint die ehemalige AHS-Direktorin und Bildungsexpertin Heidi Schrodt im Interview mit dem Ö1-Morgenjournal.  Am Montagabend verhandelt die Regierung wieder mit der Lehrergewerkschaft um ein neues Dienstrecht. Bereits am Freitag hat die BHS-Gewerkschaft den derzeitig gültigen Regierungsvorschlag erneut abgelehnt.

"Ideologische Schützengräben"

"Ich fürchte, so wie die Dinge jetzt aussehen, wird es zu keiner Einigung kommen", so Schrodt. Sie erhofft sich aber zumindest eine Punktation auf die sich alle einigen. Einen Grund für die zähen Verhandlungen sieht Schrodt darin, dass die Schuldiskussion entlang von "ideologischen Schützengräben" geführt werde. "Teile der Gewerkschaft haben hier leider eine sehr unglückliche Rolle, indem sie rein dienstrechtliche Aspekte und schulpolitische Aspekte vermengen." Vor allem die AHS-Lehrergewerkschaft und die BHS-Lehrergewerkschaft wolle bestimmte Teile der Schulreform blockieren. Besonders diese beiden Gewerkschaften und konservative Gewerkschaften würden die Interessen der Lehrer nicht vertreten, so Schrodt. "Die haben wirklich nur ihre eigene Klientel im Auge."

24 Studen Arbeitszeit gerechtfertigt

Der Regierungsvorschlag sieht die Erhöhung der Lehrerarbeitszeit von 20 bis 22 auf 24 Stunden vor. "Darüber kann man reden und ich finde das durchaus gerechtfertigt im internationalen Vergleich", so Schrodt. Sie kritisiert aber, dass die Arbeit einer Lehrkraft immer noch über die Arbeit im Klassenzimmer definiert wird. "Ich würde ein Jahresarbeitszeitmodell bevorzugen, indem die Arbeitszeit über das Schuljahr hinweg definiert ist und die Schulen selber, je nach Bedarf, entscheiden, wie die Lehrkraft eingesetzt wird."

"Passt nicht mehr zusammen"

Falls sich Regierung und Gewerkschaft nicht einigen, wäre dies vor allem wegen der neu beschlossenen Lehrerausbildung schlimm, so Schrodt. Geplant ist, dass dann alle Lehrer einen Abschluss auf Masterniveau machen müssen. Derzeit absolvieren Lehrer an den Pflichtschulen nur ein Bachelorstudium, sie werden laut dem geltenden Dienstrecht auch schlechter bezahlt. "Diese neue Ausbildung erfordert ein ganz neues Arbeitsfeld der Lehrkräfte, wenn diese neue Ausbildung anläuft, brauchen wir ein anderes Dienstrecht", meint die ehemalige Direktorin. Lehrerdienstrecht und –ausbildung würden dann nicht mehr zusammenpassen. 

Heinisch-Hosek: "Angebot ist großartig"

Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist optimistischer, was die Verhandlungen am Montagabend betrifft. Das Angebot der Regierung sei "großartig, es könnte die letzte Runde sein, wenn es nach mir ginge", erklärte sie am Rande einer Pressekonferenz am Vormittag. 

Gewerkschaft weiter ablehnend

Die Gewerkschaft hat allerdings mittlerweile ihre Ablehnung des Regierungsvorschlags erneut bekräftigt. Auch die Unabhängigen GewerkschafterInnen (ÖLI-UG) haben am Montag in einer Presseaussendung ihre Ablehnung des aktuellen Entwurfs angekündigt. Bereits am Freitag hatten die von der ÖVP-nahen FCG dominierten Lehrervertreter der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) ihr Nein bekräftigt. "Es gibt aus allen Bereichen dementsprechende Rückmeldungen", fasst Lehrer-Chefverhandler Paul Kimberger (FCG) die Haltung der Gewerkschafter zusammen. (red, derStandard.at, 15.7.2013)

  • Heidi Schrodt würde ein Jahresarbeitszeitmodell für Lehrer bevorzugen.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Heidi Schrodt würde ein Jahresarbeitszeitmodell für Lehrer bevorzugen.

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