Urteil wegen Folter und versuchten Mordes abgeschwächt

15. Juli 2013, 10:13
4 Postings

Frauenrechtsgruppe zeigt sich entsetzt: Peiniger von 15-jährigen Sahar Gul sollen freikommen, weil die Tat unter Gewalt in der Familie fällt

Kabul - Der Umgang der afghanischen Justiz mit dem Fall der mit 15 Jahren grausam misshandelten Sahar Gul schlägt erneut hohe Wellen: Ein Gericht in der Hauptstadt Kabul habe befunden, dass die im vergangenen Jahr verhängten zehnjährigen Haftstrafen gegen drei Mittäter wegen Folter und versuchten Mordes abgeschwächt werden müssten, sagte ein Gerichtssprecher am Samstag. Die drei Verurteilten seien nach den vorliegenden Beweisen der "Gewalt in der Familie" schuldig und hätten damit lange genug im Gefängnis gesessen.

Die 15-jährige Sahar war zwangsverheiratet worden. Die Angehörigen ihres Mannes wollten sie zur Prostitution zwingen. Das Mädchen wurde von den Schwiegereltern und der Schwägerin ein halbes Jahr in einer Toilette eingeschlossen und gefoltert.

"Verbote einer finsteren Zukunft"

Die Vereinigung Frauen für afghanische Frauen zeigte sich entsetzt. Der Prozess wegen der Misshandlung Sahar Guls sei einst als ein Triumph für die Frauenrechte gefeiert worden, erklärte die Vereinigung. Nun erweise sich der Fall als "Vorbote einer finsteren Zukunft". Das ursprüngliche Urteil wurde im Mai 2012 gesprochen. Der Gerichtssprecher in Kabul konnte nicht sagen, ob die drei damals Verurteilten bereits wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. (APA, 15.7.2013)

Share if you care.