Naked Cowboy: Nancy Reagan als Vorbild und das Geschäft als Zweck

Ansichtssache15. Juli 2013, 12:37
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Doppelmoral und nackte Haut: Robert Burck macht als Straßenkünstler 150.000 US-Dollar jährlich allein durch Trinkgelder

Seit 1998 tritt Robert Burck aus Ohio vor allem auf dem Times Square in New York als "Naked Cowboy" auf und hat damit laut Eigenangabe allein durch Trinkgelder über zwei Millionen Dollar verdient. Burck hat sein exzentrisches Konzept mittlerweile zur Franchisemarke gemacht und erlaubt anderen Straßenkünstlern, gegen eine Lizenzgebühr von monatlich 500 Dollar als "Naked Cowboy" oder "Naked Cowgirl" aufzutreten. 

"Jeder kennt Bilder vom nackten Cowboy auf dem Times Square. Aber wer hat dieses Motiv schon gesehen", kommentiert Reuters-Fotograf Darren Ornitz das Treffen mit Burck und seinen Epigonen in einer New Yorker Tiefgarage: "Ich habe die Bat-Höhle des nackten Cowboys gefunden!"

Halbnackt und erzkonservativ

Burck, Absolvent der Politikwissenschaft an der University of Cincinnati, gab 2010 bekannt, bei der US-Präsidentschaftswahl 2012 gegen Barack Obama antreten zu wollen. Sein Versuch blieb freilich ebenso erfolglos wie seine Antritte in den Castingshows "American Idol", "Australian Idol" und "Star Search". Auch der Bürgermeisterposten von New York blieb ihm 2009 versagt.

Der tiefgläubige Christ zählt Nancy Reagan, die Witwe des verstorbenen US-Präsidenten Ronald Reagan, und den patriotischen Country-Sänger Garth Brooks zu seinen großen Vorbildern. Halbnackt kokettiert er mit der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung in den Staaten.

Mars erlebt ein blaues Wunder

Noch ernster als die Politik nimmt Burck nur das Geschäft. 2008 verklagte er den Süßwarenhersteller Mars Inc. auf 100 Millionen Dollar Schadenersatz, nachdem in einer Werbung eine blaue M&Ms-Figur mit Gitarre und in weißer Unterhose, Cowboyhut und -stiefeln bekleidet zu sehen war. Man einigte sich außergerichtlich, über die Modalitäten wurde nichts bekannt - also durften sie für Burck lukrativ ausgefallen sein.

Mit einer Klage sah sich 2011 auch eine ehemalige Stripperin konfrontiert, die als "Naked Cowgirl" am Times Square auftrat, ohne Burck dafür Lizenzgebühren zu bezahlen. In diesem Fall ließ der Cowboy die Klage fallen: "Ein Prozess in einer solchen Situation könnte sich ewig hinziehen. Das liegt nicht in unserem Interesse", sagte Burcks Manager. Vielleicht gab es aber auch einfach nicht genug zu holen. (red, derStandard.at, 15.7.2013)

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