Keuchhusten gefährdet Säuglinge

15. Juli 2013, 07:01
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Viele Erwachsene in Deutschland ohne Pertussis-Impfschutz - Einsatz von Dreifachimpfstoff bei Verletzungen empfohlen

Wiesbaden – Etwa einer von 20 Erwachsenen in Deutschland ist ausreichend gegen Keuchhusten geimpft. Viele davon stehen in direktem Kontakt mit Säuglingen. Bei Babys kann der Infekt lebensbedrohlich verlaufen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) fordert auf, kombiniert mit der Impfung gegen Tetanus und Diphtherie auch gegen Keuchhusten zu immunisieren. Nach den aktuellen Erkenntnissen des Robert Koch-Instituts (RKI) ist das selten der Fall, wie Experten in der Fachzeitschrift DMW "Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2013) schreiben.

Nicht nur Säuglinge und Kleinkinder können an Pertussis erkranken. Eine Infektion mit dem Bakterium Bordetella pertussis ist in jedem Lebensalter möglich, berichtet Merle M. Böhmer, Autorin der Studie des RKI in Berlin: Rund 70 Prozent aller Keuchhustenfälle in Deutschland treten bei Erwachsenen auf. Die Erkrankung verläuft in diesem Alter zwar leichter, oft hält die Erkrankung jedoch über mehrere Wochen an. 

Auffrischung fehlt

"Während dieser Zeit können die Erwachsenen Säuglinge infizieren, die noch nicht geimpft sind", warnt Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut rät deshalb allen Erwachsenen, sich regelmäßig gegen Keuchhusten impfen zu lassen. Dies gelte insbesondere für Menschen, die Kontakt zu Säuglingen haben.

Der Impfschutz muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden. In zwei Umfragen des Robert Koch-Instituts an mehr als 40 000 Menschen gaben nur 5,9 Prozent der Erwachsenen an, in den letzten 10 Jahren gegen Keuchhusten geimpft worden zu sein. Auch in den Risikogruppen – Menschen mit Kontakt zu Kindern unter einem Jahr und zu gebärfähigen Frauen – waren es nur 10,7 Prozent. Nach Ansicht von Böhmer werden die Impfempfehlungen bis dato unzureichend umgesetzt. In den neuen Bundesländern sind mit 19,2 Prozent etwa doppelt so viele Risikopersonen geimpft wie in den alten Bundesländern. Doch auch das sei bei Weitem nicht ausreichend.

Keine banale Erkrankung

Die meisten Tetanus-Auffrisch-Impfungen werden vorgenommen, wenn Personen mit frischen Verletzungen einen Arzt aufsuchen. Die Verwendung der Kombinationsimpfung Tetanus/Diphtherie/Pertussis wäre hier sinnvoll. Die STIKO empfiehlt den Einsatz seit 2009 für jeden Erwachsenen, für Risikogruppen bereits seit 2001. Dennoch setzten im Jahr 2007 drei Viertel der Kliniken einen ausschließlichen Tetanus-Impfstoff ein. Den Dreifachimpfstoff verwendeten Krankenstationen nur für 3,5 Prozent aller Impfungen, in den Notfallaufnahmen sogar nur für 0,4 Prozent.

"Das Festhalten an dem alten Tetanus-Impfstoff ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß", sagt Fölsch: "Keuchhusten ist auch bei Erwachsenen keine banale Erkrankung. Vor allem bei Abwehrgeschwächten kann es zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Harninkontinenz, Gewichtsverlust und Rippenfrakturen kommen." Die höheren Kosten für den Kombinations-Impfstoff wiegen bei weitem das Risiko auf, dass nicht geimpfte Erwachsene womöglich Säuglinge anstecken, so Fölsch. (red, derStandard.at, 15.7.2013)

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