Israels Angriff in Syrien: Gefährliches Spiel

Kommentar14. Juli 2013, 18:39
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Assad soll wissen, dass die Welt weiß, dass Israels Passivität dort aufhört, wo die Hisbollah ins Spiel kommt

Wenn der Artikel in der "New York Times" stimmt, dann hat Israel Anfang Juli erneut einen Angriff in Syrien geflogen. Wieder dürfte es um Raketen gegangen sein, die nicht in den Händen der Hisbollah landen sollen. Anders als bei den Militärschlägen nahe Damaskus an einem Wochenende in Mai, die aufgrund ihres Ausmaßes nicht zu verbergen waren, gehörte diesmal wieder Diskretion zum israelischen Schlachtplan: Auf etwas, das nicht bekannt ist, muss das Assad-Regime nicht reagieren.

Denn eine Eskalation mit Israel passt ihm gewiss nicht in den strategischen Kram: Nach der Rückeroberung von Qusayr im Mai wandte sich die syrische Regime-Armee, wie prognostiziert, Homs und seinem Umfeld zu, die nächste Station wird Aleppo sein. Momentan ist Bashar al-Assad gegen die Rebellen militärisch so erfolgreich, dass er sich sogar wieder der Politik - oder dem, was er darunter versteht - zuwendet, wie die Umkrempelung der Baath-Partei vor einer Woche zeigt. Jedenfalls hat er jetzt kein Interesse daran, eine neue Front zu eröffnen und seinen Krieg noch mehr zu internationalisieren, als er bereits ist.

Vielleicht wurde ja gerade deshalb die Nachricht von den israelischen Angriffen in den USA geleakt. Assad soll wissen, dass die Welt weiß, dass Israels Passivität dort aufhört, wo die Hisbollah ins Spiel kommt - und dass Assad dagegen machtlos ist. Dieses Spiel kann aber jederzeit eine Eigendynamik entwickeln, die der Ratio nicht gehorcht. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 15.7.2013)

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