Kartellwächter halten Fahrradbauer auf

14. Juli 2013, 18:00
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Um einem Preiskampf vorzubauen, schreiben die Hersteller Online-Händlern einen unverbindlichen Verkaufspreis vor. Bei der Wettbewerbsbehörde schrillen die Alarmglocken

Wien - Wettbewerbshüter heften sich zunehmend an die Fersen des Einzelhandels. Lebensmittel- und Elektrohandelsketten wurden bereits gefilzt. Jetzt lässt der Sportartikelhandel die Alarmglocken der Kartellbehörde schrillen. Konkret geraten Fahrräder in ihr Visier.

Es besteht Verdacht auf sogenannte vertikale Preisbindungen. Auslöser ist der immer schärfere Wettbewerb zwischen stationären Händlern und reinen Internetanbietern, der die Industrie zu fragwürdigen Praktiken hinreißt. Aktueller Stein des Anstoßes ist der schriftliche Hinweis eines österreichischen Webshops: "Wir müssen die Fahrräder laut Vertriebsrichtlinien mit dem unverbindlichen Verkaufspreis in unserem Webshop anpreisen. Bitte besuchen Sie unsere Filialen oder mailen Sie uns Ihre Telefonnummer für ein individuelles Preisangebot." In seinem Sortiment finden sich Räder der Marken Giant, KTM, Scott, Haibike, Mondraker, Kuota, Lapierre, Kona und Puch.

Der Schluss daraus: Zahlreiche Fahrradhersteller versuchen, den Preiskampf mit dem Internethandel einzubremsen, indem sie diesem Schranken setzen. Sie schreiben ihren Händlern also offenbar vor, Drahtesel online nicht unter dem zumeist nur wenig anziehenden Listenpreis anzubieten.

Ermittlungen

Österreichs Wettbewerbsbehörde hat jedenfalls schon Ermittlungen aufgenommen. Sie klopft den Handel auf entsprechende Preisbindungen ab, sagt ihre Sprecherin. Denn vorgegebene Mindestpreise und Preisvereinbarungen für den Weiterverkauf seien in Österreich verboten. Diese reduzierten den Wettbewerb und provozierten in der Folge höhere Preise.

Die Kritik der Arbeiterkammer lässt nicht lange auf sich warten: Werden Fahrräder im Internet zum Einheitspreis offeriert, dann sei ein sinnvoller Preisvergleich nicht mehr möglich, so ihr Tenor. Einige Konsumenten sollen sich daran schon gestoßen haben.

Der Zwang zum unverbindlichen Verkaufspreis im Web diene dem Schutz der Verkaufsaktivitäten aller Giant-Händler, argumentiert man im Österreichvertrieb der taiwanischen Fahrradmarke. Aktuelle Ware dürfe nicht über Onlineauktionen unter dem Listenpreis angeboten und verkauft werden. Zuwiderhandelnden Vertriebspartnern drohe die Blockierung neuer Lieferungen.

Strenge Verkaufsvorgaben

Puch Österreich versichert hingegen, dass es für Onlineanbieter keine Einschränkungen gebe. Bei Scott Österreich gibt sich die Geschäftsführung differenzierter: Es sei falsch, dass Räder im Web nur mit den Listenpreisen angepriesen werden dürften. "Das dürfen und machen wir nicht." Erforderlich für Scott-Händler seien allerdings stationäre Verkaufsflächen und Öffnungszeiten. Damit könne man reine Internethändler wie Amazon ausschließen.

Die Radindustrie ist mit ihrem Widerwillen gegen die Onlinekonkurrenz nicht allein. Konzerne wie Adidas, Mammut, Lowa, Deuter und Asics verbieten den Verkauf ihrer Marken über Plattformen wie Ebay und Amazon. In Deutschland laufen entsprechende Ermittlungen. (APA/vk, DER STANDARD, 15.7.2013)

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    Vorgegebene Mindestpreise und Preisvereinbarungen für den Weiterverkauf sind in Österreich verboten.

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