Duchatczek ist (auch) ein Opfer

Blog13. Juli 2013, 16:08
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Der Ex-Notenbank-Vize muss in der Gelddruckeraffäre für Fehler und Praktiken anderer gerade stehen

In der von meiner Kollegin Renate Graber akribisch berichteten Affäre um die Banknotendruckerei (OeBS) fällt es schwer, Mitleid mit dem angeklagten Ex-Aufsichtsratschef und Notenbank-Vize Wolfgang Duchatczek zu haben.

Der langjährige Geldmanager dürfte in massive Schmiergeldzahlungen verwickelt gewesen sein und wenig getan haben, um die Spuren seiner Beteiligung zu verwischen. Es gilt die Unschuldsvermutung, aber allein die Anklageschrift wirft kein gutes Bild auf einen der führenden und bestbezahlten Führungskräfte im österreichischen Staatswesen.

Duchatzcek dürfte auch beim Umgang mit den Vorwürfen wenig Geschick bewiesen und so ziemlich jeden in den Führungsgremien der Nationalbank gegen sich aufgebracht haben.

Das erklärt zum Teil, warum der Generalrat der OeNB jetzt mit so viel Härte gegen ihn vorgeht: zuerst Suspendierung und nach seinem eigenen, höchst unglücklichen Rücktritt die fristlose Entlassung bei Streichung aller Abfindungs- und Pensionsansprüche. Ein Mann, der mit einem höchst bequemen Lebensabend rechnen konnte, steht nun möglicherweise vor dem Nichts.

Allerdings gibt es zwei Punkte, die man - wenn nicht rechtlich, dann zumindest moralisch - zugunsten Duchatczeks vorbringen kann.

Das eine ist, wie Christian Rainer vergangene Woche im Profil geschrieben hat, die Tatsache, dass Schmiergeldzahlungen in zwielichtigen Staaten bis vor wenigen Jahren eine übliche Praxis war, um an Aufträge heranzukommen. Jeder tat es, denn ohne dem war es in vielen außereuropäischen (und auch in manchen europäischen) Ländern gar nicht möglich, Geschäfte mit Diktaturen oder korrupten Beamten zu tätigen.

Die Verschärfung der Anti-Korruptionsgesetze in den vergangenen Jahren war richtig und überfällig, aber viele Unternehmen konnten sich nicht rasch genug umstellen und wurden am falschen Fuß erwischt.

Die Korruptionspraktiken der OeBS  waren selbst für frühere Verhältnisse verwegen. Aber das ist eher Ausdruck von auffallend niedriger Kompetenz im Vorstand und Aufsichtsrat der Notenbank-Tochter als von besonderer krimineller Energie. Klügere Manager gingen halt etwas geschickter vor.

Wichtiger aber noch ist ein zweiter Punkt: Dass die OeBS  überhaupt diese wahnsinnigen Geschäfte in Syrien und Aserbaidschan benötigt hat, war Folge einer katastrophalen Fehlinvestition: des Baus der riesigen Banknotendruckerei mitten in Wien. Errichtet für das Drucken von Euronoten ist sie so überdimensioniert, dass sie nur mithilfe profitabler Aufträge aus Drittstaaten hohe Verluste vermeiden konnte. Eine solche Konstellation treibt selbst redliche Manager zu unredlichen Taten.

Und für diese Bauentscheidung war vor allem der frühere OeNB-Generaldirektor Adolf Wala verantwortlich, der heute mit hoher Pension und noch höherem Ansehen in der österreichischen Finanzpolitik mitmischt (er ist im Vorstand der staatlichen Bankenbeteiligungsgesellschaft Fimbag).

Duchatczek musste diese Fehler nun ausbaden, und wie es aussieht, wird er dafür bitter bezahlen. Er selbst hat sich dabei offenbar nie berreichert. Er handelte im Glauben, das sei das beste für das Unternehmen.

Letztlich sind er und Wala typische Vertreter einer Generation von staatlichen Managern, die jahrzehntelang viel zu viel bezahlt bekommen und viel zu wenig geleistet haben. Die Nationalbank, damit hat Jörg Haider schon recht gehabt, war ein Privilegienstadl unerhörten Ausmaßes, wo dank des rot-schwarzen Proporzes Leute in Führungspositionen kamen, die es in der Privatwirtschaft nie geschafft hätten.

Das betraf Vertreter beider politischer Lager, Rote wie Wala genauso wie Schwarze wie Duchatczek. Und als die Blauen in der Nationalbank etwas zu sagen hatten, taten sie genauso mit – siehe die Bestellung von Josef Christl.

Erst ganz langsam werden die Privilegien in dieser geschützten Werkstatt unter Ewald Nowotny und Claus Raidl eingedämmt. Immer noch erscheint die Nationalbank, heute nur noch ein Teil des EZB-Systems, in Bereichen überdimensioniert und untertalentiert.

Bei der OeBS mündeten all diese Fehlentwicklungen in einem Super-GAU, der einen der typischen Systemproponenten jetzt voll trifft.  Ob Wolfgang Duchatczek schuldig oder unschuldig ist, werden die Gerichte entscheiden, genauso wie die Frage, ob ihm zurecht seine Top-Pension gestrichen wird. Ein Bauernopfer ist er jedenfalls. (Eric Frey, derStandard.at, 13.7.2013)

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