Offener Brief an die NSA: Mein digitales Ich

13. Juli 2013, 09:45
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"Es gibt da ein zweites Ich von mir, es liegt draußen auf euern Servern."

S. g. Damen und Herren der
National Security Agency
Salt Office Petitions
9800 Savage Road, Suite 4711
Fort Meade, MD 20755-4711

Abs.: Andrea Maria Dusl,
Adresse bekannt

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich erlaube mir, mit einem offenen Brief an Sie heranzutreten. Mir ist bewusst, dass es dessen nicht bedürfte, ich könnte Ihnen auch einen geschlossenen Brief schicken (man sagt, Sie können ihn ungeöffnet lesen), ja ich könnte irgendwem einen Brief schicken mit diesem Inhalt. Oder eine E-Mail absetzen (verschlüsselt oder nicht), eine SMS, ein Facebook-Posting, einen Tweet, whatever. Mir fiele jetzt nicht ein, wie ich verhindern könnte, dass Sie meine Nachricht erreichte.

Selbst unversandt, auf meinem Laptop geschrieben (IP-Adresse ist Ihnen bekannt) und in den Tiefen meiner Festplatte versteckt erreichte Sie jeder meiner Texte. Diese Zeilen erreichen Sie via Lachs, die Tageszeitung am Ufer der Wien (Klarnamen und Gesamtdatenaufkommen dieser Publikation und ihrer Mitarbeiter und Zuträger sind Ihnen bekannt). Ich schreibe Ihnen öffentlich, weil mir viel daran liegt, auch andere in unsere Korrespondenz einzuweihen. Aus einem tief empfundenen Gefühl, die Gleichgewichte wiederherzustellen.

Das kumpelhafte "Ihr"

Unter Unbekannten im Netz hat sich (man mag das bedauern) das Du-Wort breitgemacht, wie auf der Baustelle, am Theater, im Möbelsupermarkt, auf dem Berg, im Bett. Wir wollen also vom förmlichen Sie zum kumpelhaften Ihr wechseln. Angesichts der Intensität der Intimität, die ich mit euch teile, erlaube ich mir diese Erosion der guten Sitten.

Viel ist dieser Tage die Rede davon, wie viel ihr über jede und jeden von uns wisst, wie umfangreich eure Sammlung ist. Ihr wisst alles über alle, alles über mich. So heißt es. Ihr seid die Verwalter meines Ichs. Meines digitalen Ichs. Wenn ich Nachdenker Schirrmacher und den Quellen glauben darf, die er digestiert, wisst ihr, was ich vorhabe, bevor ich selbst einen Plan entworfen habe. Und wenn ihr die Zukunftsschau jetzt noch nicht auf die Reihe bekommt, steht zu befürchten, dass es damit bald einmal so weit sein wird. Treten wir also offiziell in Kommunikation, liebe Damen (von euch gibt es weniger) und Herren (ihr habt auch in der NSA die Nase vorn)! Reden wir über mein digitales Ich.

Das "digitale Ich"

Es gibt ein zweites Ich von mir, es liegt da draußen auf euren Servern und denen eurer Lieferanten, man nennt es das "digitale Ich". Lasst uns über mein digitales Ich sprechen. Wir müssen da was zurechtrücken.

Wo fangen wir an? Es ist völlig egal, wo wir anfangen, denn eine Erkenntnis liegt wie ein süßer Schatten über allem. Digitales Ich und Ich sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Digitales Ich und Ich sind verschiedener, als es Schuhe sein könnten. Wisst ihr. Weiß ich. Wisst ihr, dass ich weiß. Weiß ich, dass ihr wisst, dass ich weiß. Und so weiter, bis einer von uns aufgibt. Ich werde es nicht sein. Warum das so ist? Weil ich die Information erzeuge. Wisst ihr auch. Weiß ich. Und wieder geht das Spiel los. Es ist wie beim ungleichen Rennen zwischen Has und Swinegel. Ich bin immer schon dort, wo mein digitales Ich erst hinwill. Bevor ihr es einspeichert und missbraucht. Nun denn, wir wollten anfangen. Und wir sagten, es sei egal, wo.

"Die Sprache ist ein Hund"

Fangen wir bei der Sprache an. ihr sprecht Englisch, NSA. Es ist also nicht ganz klar, ob eure Übersetzungsprogramme, oder die Native Speakers, die meinen Text hier in dossierfähiges Englisch übertragen, den Unterschied zwischen mir und dem Ich sichtbar machen können. Sie würden "mich" in "me" übersetzen und das "Ich" in "ego". Würden also schon ein so simpel erscheinendes Wort wie "ich" in der Landessprache der USA, der Bürosprache der NSA, in zwei verschiedene Wörter aufspalten müssen. Wir sehen und ihr wisst das: Daten können komplex sein. Die Sprache ist ein Hund.

Macht nichts, sagt ihr, wir haben Spezialisten für solche Dinge, die bereiten das auf. Ach ja. Woher wisst ihr, dass sie Spezialisten sind? Aus den Daten, die wir über sie haben! Wer prüft die Quellen, sage ich, prüft die Überprüfer, prüft die verwendeten Algorithmen, prüft deren Autoren?

Datenhalden ohne Antworten

Eine Handvoll von euch Knilchen. Mehr ist das nicht. Und das ist euer Problem. Die DDR ist daran zugrunde gegangen, dass der eine Teil damit beschäftigt war, Daten zu verarbeiten, die der andere Teil vor ihm verheimlichte. Auch wenn der Erwerb von Information heute nicht mehr aus dem Dampföffnen von Briefen besteht und Akten nicht mehr auf der klappernden Schreibmaschine verfasst werden - irgendwer muss die Fragen stellen, zu denen die Datenhalden die Antworten liefern soll.

Irgendwer muss den Antworten eine Qualität zusprechen und irgendwer der Qualität eine Dimension. Wir sprechen von vielen Leuten, die damit beschäftigt sind. Sehr vielen Leuten. Sehr viele Leute machen in Summe sehr viele Fehler, wie jeder bestätigen kann, der in einer großen Firma in überschaubarer Position beschäftigt ist. Einigermaßen motiviert müssen diese Leute auch sein, zumindest ausgestattet mit dem Motivans unserer Zeit, Geld. Ein funktionierender Datenmoloch kostet also Geld, viel Geld. Dazu später. (Die DDR ist übrigens auch daran zugrunde gegangen, dass die Überwachenden zwischen sich und den Überwachten keinen nennenswerten Unterschied an Unzufriedenheit ausmachen konnten.)

Rosinen

Wir zahlen gut, und das meiste geht automatisch, sagt ihr: Unsere Rechner-Cluster und die Server-Farmen, auf die sie zugreifen, machen die Drecksarbeit, wir picken nur mehr die Rosinen aus der Kacke. Schön gesprochen, NSA, aber nicht ganz so unfalsch, wie ihr tut.

Knnt hr ds lsn? Oedr dseein, dcoh eawts scerehrigewin, wiel skträer dgescüurhttechlten Staz? Nein, ihr steigt aus. Und eure Software. Die Krypto-Leute müssen da ran. Die aus dem Büro für deutsch Geschriebenes. Nicht gleich, aber dann halt. Wir hier im Lachs und im Online-Lachs können das lesen. Zumindest nach ein paar Sekunden. Das kleine Beispiel soll zeigen: Information ist nicht alles.

"Central Scrutinizer"

Frank Zappa, der große Bürgerschreck und manische Fürchter US-amerikanischer Daten-Akquise, hat das Problem des "Central Scrutinizer", des "Zentralen Überwachers" schon 1979 antizipiert. Im Song Packard Goose auf dem Album Joe's Garage lässt er Mary, das Groupie aus dem Bandbus, sein primäres Anliegen vortragen: "Information is not knowledge, knowledge is not wisdom, wisdom is not truth, truth is not beauty, beauty is not love, love is not music, music is the best! (...)" - Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik, Musik ist das Beste.

Als meine beiden schwedischen Onkels, wir reden wieder von mir, NSA, während der Besatzung Norwegens durch Hitler-deutsche Truppen als Rekruten der Svenska armén, der Armee des neutralen Schwedens, an die innerskandinavische Grenze versetzt wurden, hatten sie Verbot, in Briefen nach Hause ihre Garnison, ja überhaupt ihre Anwesenheit an der norwegischen Grenze preiszugeben. Anders als ihre Kameraden, die ein paar Tage Bunker riskierten, fürchteten meine Onkels, gebürtige Deutsche aus jüdisch-österreichischer Großbürgerfamilie, um ihr Leben. Wären ihre Namen und ihr Aufenthaltsort an die Sympathisanten der Nazis geleakt, hätte ihr junges Leben leicht in der Vernichtung geendet.

Codierte Botschaft im Zweiten Weltkrieg

Um meinen Großeltern dennoch (erfolgreich) mitzuteilen, wo sie seien und dass es ihnen gutgehe, kritzelten sie ein paar Takte mit der Melodie des "Värmlandliedes" auf die Militärpostkarte. Die schwedische Zensur war zu einfältig, die Information überhaupt als relevant zu deuten, die deutschen Spitzel im schwedischen Militär zu ungebildet, daraus ihren Aufenthaltsort zu extrahieren.

Die Onkels kamen nach Kriegsende gesund und halbwegs munter wieder nach Hause. Zappa und Onkels, gleichermaßen irritiert und bedrängt von der Informationslüsternheit der Dienste, wussten sich zu helfen. Mit dem Ausweichen auf metasprachliche Kommunikation.

Na ja, sagt ihr jetzt, NSAler, nicht jeder ist Poet, noch weniger sind des Notenlesens oder anderer Spezialsprachen mächtig. Und das Abgreifen solcher Information ist weder die Regel noch ihre Auswertung von großem Belang. Wir können unsere Informationen aus Kontobewegungen und den Sendemast-Log-in-Daten eurer Handys rekonstruieren. Wir müssen nicht wissen, was ihr denkt, lasst ihr uns auf den Blogs eurer Kritiker wissen, es genügt zu wissen, was ihr kauft und mit wem ihr sprecht. Mag sein, sage ich. Magister Karl-Heinz Grasser, der Große Finanzminister sah das anders. Wohlweislich kommunizierte er mit mindestens acht verschiedenen Handys. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen wird er wohl für sein Plastikgeld und die Bipa-Vorteilscard getroffen haben. Der gute Mann ist ja Shampoo-Großkunde.

"Sehr viel Energie muss darauf verwendet werden, den roten Faden nicht zu verlieren, noch mehr Energie, liebe NSA, darauf, einen roten Faden überhaupt zu finden."

Ich schweife ab. Das nächste Problem. Große Datenmengen verführen zur Abschweifung. Sehr viel Energie muss darauf verwendet werden, den roten Faden nicht zu verlieren, noch mehr Energie, liebe NSA, darauf, einen roten Faden überhaupt zu finden. Und wir sprechen von glaubwürdiger Information. Schwieriger noch, und bisweilen unmöglich, darüber sprecht ihr außerhalb eurer Mauern und Thermofenster nicht so gerne, ist das Aufspüren des richtigen roten Fadens in einem Büschel falscher roter Fäden. Oder die Erkenntnis, dass es trotz Büschels gar keinen Faden gibt.

Wusstet ihr, liebe Datenschürfer, dass ich überhaupt nicht in San Diego lebe? Wussten wir, sagt ihr jetzt, und ich weiß, dass ihr lügt. Euer Hauptzuträger für Intiminformation, das Datenschwimmbecken Facebook, weiß das nicht. Emsig stellt es mir Westküsten-Werbung aufs Profil. Fünf-Badezimmer-Immobilien aus Oceanside und Carlsbad, den Artsy-Fartsy-Vernissagen-Kalender von Südkalifornien, jede Menge Schickimicki-Yacht-Bedarf, Country-Club-Einladungen, Charity-Spam. Ach ja, NSA, ich hab ein bisserl geschwindelt, ich habe keinen Zweimaster mit Beiboot. Ich habe nicht einmal das Küstenpatent für Neusiedl. Ich träume nur davon. Mein digitales Ich weiß das nicht. Und ihr, mit ihm, seid ahnungslos.

Als nach den iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 das Volk auf die Straße ging und die "Sea of Green" die Sympathien säkularer und aufgeklärter urbaner Kreise im Westen nährte, spielte ich auf Twitter Informations-Multiplikator. Über mir schwebte der Heiligenschein der Gutmenschen. Ich war im Dienste der Aufklärung tätig. Der Aufklärung im Kant'schen Sinn. Aha, eine Auslands-Iranerin, sagten die Algorithmen in Twitterland und im Zuckerbergwerk, gegen alle Vernunft, die eine Kompilation meiner anderen Daten geboten hätte.

"Die einzige iranische Freundin, die ich habe, ist vom Habitus wienerischer als die Jazz Gitti. Ach ja, drei Ausgaben der 'Persepolis' -Comics von Marjane Satrapi habe ich auch daheim."

Auf Facebook und Twitter regnete es einschlägige Freundschaftsvorschläge mit Exiliranern. Das Iranischste an mir, liebe Datenmineure, ist eine Taschenbuch-Ausgabe der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und mein gymnasiales Faible für Freddie Mercury. Die einzige iranische Freundin, die ich habe, ist vom Habitus wienerischer als die Jazz Gitti. Ach ja, drei Ausgaben der Persepolis-Comics von Marjane Satrapi habe ich auch daheim. Falls ihr die Bestelllisten meiner Lieblingsbuchhändlerin scannt, NSA, dann wisst ihr das auch.

Ein Datum ist nur so gut wie seine Verknüpfung. Ich hoffe, ihr bekommt das besser auf die Reihe als euer Datenlieferant Facebook. Geneigt, zu glauben, das Zuckerberg-Imperium verkaufe tatsächlich User-Content-generierte Werbung, bleibt unverständlich, wie ungenau die Platzierung und Auswahl personalisierter Werbung ausfällt. Hallo! Ich will nicht Ibiza-Lounge-Mta-Mta hören! Ich bin (als Apple-Fan-Girl) nicht an Microsoft-Server-Software interessiert. Als Trägerin dunkler, unaufgeregter Stoffe nicht an fleischfarbenen, umwerfend sexy wirkenden Mini-Abendkleidern und als Freundin englischer Sportlimousinen nicht am Citroën Picasso. Meine tatsächlichen Leidenschaften, Jimi Hendrix, Gibson-ES-335-Gitarren, orientalische Gewürze, französische Gerüche und italienische Olivenöle, tauchen nie auf in eurer Kommerz-Timeline. Möglich, dass ihr meine Obsessionen unter "persisch" ablegt. Bitte korrigieren! Ich bin Hippie!

Weißes Info-Rauschen

Wir können mehr, sagt ihr jetzt, NSA. Den Vorwurf, echte Information würde nicht als solche erkannt, Datenmüll und weißes Info-Rauschen hingegen zu Erkenntnissen hochgebürstet, haltet ihr für dumm und bestenfalls naiv. Gute Stichworte, NSA. Alle paar Monate spaziert einer eurer Mitarbeiter mit einer Festplatte voller Schlüsseldaten in die Öffentlichkeit. Ihr grast den Markt nach Hackern ab, in der Hoffnung, deren Talente bei euch sicher aufgehoben zu wissen. Dumm und bestenfalls naiv von euch, zu meinen, die IT-Krocha fühlten sich wohl in der Gesellschaft nerdiger Krawattenheinis und GOP-wählender Datenmaschinisten mit Magnetschlüsselbund und Master-Passwort-Palette. Es gibt auch den Gegenentwurf zur zentra- len Überwachung. Die Überwachung der Zentrale nämlich.

Weder analoges noch digitales Ich eines gewissen Edward Snowdon konntet ihr daran hindern, mit Metainformation aus eurem Dunstkreis zu verschwinden. Dem obersten Dienstherrn eures Vereins fügtet ihr eine der schlimmsten außenpolitischen Schlappen seiner Amtszeit zu - Barack Obama, Exliebling europäischer Bobos, wird sich in die Geschichtsbücher als Big Brother einschreiben. "Yes we scan" hat, euch sei Dank, NSA, mehr Mem-Potential als "Yes we can". "Yes we cannot", Freunde, das läuft blöd für euch, wird gerade zu eurem inoffiziellen Bannerspruch.

"Ja, wir sind Flaschen, höre ich euch raunen"

Yes we could not, ja, wir konnten keine Informationen liefern, die Daten-Leaker Snowden an der Ausreise nach Hongkong hinderten. Unseren Schwesterdiensten aus der United States Intelligence Community gelang es weder auf diplomatischem noch auf undiplomatischem Weg, zu verhindern, dass er dort hinter den Kulissen plaudert, nicht daran, dass er es vor ihnen tat. Auch von seiner Reise nach Moskau erfuhren wir aus der Presse. Ja, wir sind Flaschen, höre ich euch raunen.

Wie brauchbar schließlich die Informationen sind, mit denen ihr operiert, wenn mal ein ganz großes Ding am Dampfen ist, zeigt die Geheimdienstfarce, die den Präsidenten Boliviens neulich vom Himmel über Österreich holte. Wollen wir mal konstatieren, telefonieren könnt ihr noch. Mit Kollegen aus befreundeten Geheimdiensten. In Frankreich, Italien, Spanien, Portugal. Die Nummer der deutschen Freunde hatte ihr auch. Und die der österreichischen. Ohne größeres Nachdenken hielten die in der Präsidentenmaschine eines souveränen Staates Nachschau, als wäre es der rostige Lada eines Schmugglers. Wo war das digitale Ich Edward Snowdens? Wo war sein reales? Keines der beiden jedenfalls in Evo Morales' Flieger.

Mein digitales Ich hat sich übrigens mit Edward Snowden gemeingemacht. Auf Facebook, auf Twitter, bei der Suche nach relevanter Information in den Tiefen der Datenkrake Google. Zumindest mit einem Aspekt seines Geheimnisverrats. Dem zentralen Aspekt. Dem Umfang der Information, die ihr, liebe Freunde bei der NSA, sammelt und verteilt. Verteilt? Verteilt. Ich erlaube mir, in den Kern eurer Agenda vorzustoßen. Das nationale Interesse. Dieses ist nicht Sicherheit. Sicherheit ist nur die clevere Marketing-Masche, die ihr dem Ding verpasst habt. Euer Kerngeschäft, NSA, die ideologische Verfasstheit eures Landes lässt kein anderes zu, ist der Markt. Und nach dessen Logik die Beherrschung desselben. Die Milliarden digitaler Ichs, deren konstituierende Partikel ihr verwaltet, werden großindustriell weiterverarbeitet. Gegen Geld.

Ich darf also meine Minimalforderung deponieren. Die spurenlose Kontrolle des realen Ichs über das digitale. Den allfälligen Ausstieg aus eurem Bergwerk. Und eine Autorenbeteiligung. Die Arbeit am digitalen Ich will honoriert sein. Tantiemen und Werknutzungsentgelte fallen an. All die Informationen, die wir für euch produzieren, muss erarbeitet werden. Her mit dem Anteil!

Mit freundlichen Grüßen,
Andrea Maria Dusl,
San Diego Marina.

PS: Edward ist bei mir auf der Yacht. (Andrea Maria Dusl, DER STANDARD, Album, 13.7.2013)

Andrea Maria Dusl, Filmregisseurin, Zeichnerin und Autorin, lebt in Wien. Zuletzt erschien von ihr im Metro-Verlag "Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen. Kein Roman" .

  • Andrea Maria Dusl: "Ich schreibe Ihnen öffentlich, weil mir viel daran liegt, auch andere in unsere Korrespondenz einzuweihen. Aus einem tief empfundenen Gefühl, Gleichgewichte wiederherzustellen."
    foto: heribert corn/corn.at

    Andrea Maria Dusl: "Ich schreibe Ihnen öffentlich, weil mir viel daran liegt, auch andere in unsere Korrespondenz einzuweihen. Aus einem tief empfundenen Gefühl, Gleichgewichte wiederherzustellen."

  • "Viel ist dieser Tage davon die Rede, wie viel ihr über jede und jeden von uns wisst." Foto: Facebook-Server-Farm in Luleå (Schweden).
    foto: ap/ susanne lindholm

    "Viel ist dieser Tage davon die Rede, wie viel ihr über jede und jeden von uns wisst." Foto: Facebook-Server-Farm in Luleå (Schweden).

  • "Mein digitales Ich hat sich übrigens mit Edward Snowden gemeingemacht." Foto: Anti-NSA-Demonstrant in Berlin
    foto: reuters/thomas peter

    "Mein digitales Ich hat sich übrigens mit Edward Snowden gemeingemacht." Foto: Anti-NSA-Demonstrant in Berlin

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