Schweres Zugunglück bei Paris: Mehrere Tote

12. Juli 2013, 22:36
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Zumindest zwölf Verletzte - Bahnchef: "Das ist eine Katastrophe"

Beim schwersten Zugunglück in Frankreich seit 25 Jahren sind am Freitagnachmittag südlich von Paris mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben des zuständigen Präfekten Michel Fuzeau wurden zudem mindestens zwölf Menschen schwer verletzt, als der Intercity-Zug am Bahnhof von Bretigny-sur-Orge im Departement Essonne entgleiste. Die Ursache der Katastrophe war zunächst unklar.

Fuzeau sagte, unter den zwölf Schwerverletzten seien "neun sehr schwer verletzt". Es handle sich aber um eine "vorläufige" Opferzahl. Der Abgeordnete Michel Pouzol sagte: "Wir wissen nicht, ob sich noch Menschen unter den Waggons befinden (...). Vier Waggons sind vollkommen zerstört." Zuvor hatte Innenminister Manuel Valls von sieben Toten gesprochen. Die Bilanz werde aber noch schwerer ausfallen, fügte der Minister hinzu. Zusätzlich zu den Schwerverletzten kümmerten sich Sanitäter um rund 190 weitere Menschen. Die Krankenhäuser der Region wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Der Chef der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF, Guillaume Pepy, sagte, in dem Zug seien rund 370 Passagiere gereist. Er war auf dem Weg in das knapp 400 Kilometer südlichwestlich von Paris gelegene Limoges.

Nach Polizeiangaben fuhr der Zug "mit großer Geschwindigkeit" in den Bahnhof ein, als er in "zwei Teile gerissen" wurde. Ein Teil des Zugs sei weitergefahren, der zweite Teil sei mitsamt den Passagieren auf den Bahnsteig gerast und dort liegen geblieben. Pepy sagte, es seien alles sechs Waggons des Zuges entgleist. "Wir kennen noch nicht die Ursache für die Entgleisung", fügte der SNCF-Chef hinzu und sprach von einer "Eisenbahn-Katastrophe". Ein SNCF-Mitarbeiter sagte, es habe sich nicht um ein "Geschwindigkeitsproblem" gehandelt. Züge wie der von Paris nach Limoges durchfahren Bahnhöfe, an denen sie nicht halten, in der Regel mit einer Geschwindigkeit von rund 150 Stundenkilometern.

Ein Passagier sagte der Nachrichtenagentur AFP, als er sich aus dem Waggon befreit habe, habe er über "eine Person steigen müssen, deren Kopf abgerissen war". Kurz nach der Abfahrt aus Paris habe es einen ersten Stoß gegeben, dann einen zweiten, und der Waggon sei abgehoben. "Dann gab es einen dritten und vierten (Stoß), und der Waggon hat sich hingelegt." Der Intercity 3657 war gegen 17 Uhr vom Pariser Bahnhof Austerlitz gestartet. Er entgleiste um 17.14 Uhr. Um 17.23 löste die Präfektur der Essonne den "Alarmplan Rot" für Unglücke mit "zahlreichen Opfern" aus. Das Unglück von Bretigny-sur-Orge ist die größte Zugkatastrophe in Frankreich seit 1988. Bei einem Unglück im Pariser Bahnhof Gare de Lyon waren damals 56 Menschen ums Leben gekommen.

Bretignys Bürgermeister Bernard Decaux sprach von einem "apokalyptischen Anblick". "Alle laufen wie wild in alle Richtungen. Es herrscht Panik", sagte er der Zeitung "Le Parisien". Vor dem Bahnhof standen Dutzende Feuerwehr- und Polizeiwagen, das gesamte Bahnhofsviertel wurde abgesperrt, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern. Staatschef Francois Hollande und Verkehrsminister Frederic Cuvillier wurden am Unfallort erwartet. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso bekundete in einer an Hollande adressierten Erklärung sein Beileid. Er denke an die Familien der Opfer und wünsche den Verletzten rasche Genesung, erklärte Barroso in einer am Freitagabend in Brüssel veröffentlichten Mitteilung.

 (APA, 12.7.2013)

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    Das Zugwrack in der Station Bretigny-sur-Orge nahe Paris

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    Das Unglück ereignete sich im Bahnhof von Bretigny-sur-Orge, in etwa 40 Kilometer südlich von Paris.

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