Snowden und Assange: Helden, Verräter, Stars

Kommentar12. Juli 2013, 18:00
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Vordergründig tun sich bei Edward Snowden Parallelen mit dem anderen prominenten Flüchtigen auf

Wochen ist es her, da hat Edward Snowden mit Enthüllungen über die Praktiken der US-Geheimdienste für Empörung in der Welt und in der US-Regierung gesorgt - freilich aus unterschiedlichen Gründen. Bis zum Freitag, als er in Moskau bei einem Treffen mit Menschenrechtlern ein Statement abgab, war er der große Abwesende gewesen - und doch stets global präsent.

Vordergründig tun sich Parallelen auf mit dem anderen prominenten Flüchtigen - von den einen als Verräter verdammt, von den anderen als Held gefeiert: Julian Assange. Doch die Motivationen und das Handeln des Australiers, der vor mehr als einem Jahr in die ecuadorianische Botschaft in London flüchtete, ist wohl anders zu bewerten als jenes des über Hongkong nach Russland geflüchteten Amerikaners. Assange stellt seine Person viel stärker in den Mittelpunkt als Snowden; er inszeniert sich, um zum Star zu werden und sich auf diese Art der Justiz zu entziehen.

Dass es Assange nicht mehr allein um "die richtige Sache" gehen dürfte, zeigt sich an dem US-Dokumentationsfilm We Steal Secrets. Regisseur Alex Gibley nahm von einem Interview mit dem Wikileaks-Gründer Abstand, weil dieser eine Million Dollar dafür verlangt haben soll. Ist das der Preis der Wahrheit? Sicher haben die USA Assange und Wikileaks in Existenznot gebracht; noch näher liegt aber die Vermutung, dass hier jemand eine Bühne für sich gefunden hat. Also doch keine Parallele zu Snowden. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 13.7.2013)

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