Stradivaris vielfältige Künste

12. Juli 2013, 18:02
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Italienische Forscher untersuchten die Techniken, mit denen der Meister seine Geigen verzierte

Pavia - Instrumente der Marke Stradivari gehören heute Banken, Museen, Stiftungen. Millionenbeträge werden verschoben, wechseln sie den Besitzer. Der betörende Klang, der ihren Wert begründen soll, ist seit langem ein Thema der Forschung. Die Dichte des Holzes, seine unregelmäßige Stärke und der Einfluss der Kleinen Eiszeit, die zur Zeit Stradivaris außergewöhnliche Holzeigenschaften hervorgebracht haben soll, wurden bereits für die bewegenden Geigentöne verantwortlich gemacht.

Unbestritten ist die hochstehende Handwerkskunst des Meisters aus Cremona. Details zu Techniken und der Materialen - vom Färbemittel bis zum Bindemittel bei Einlegearbeiten - haben sich nun italiensche Wissenschafter anhand einer Geigendecke aus der Hand des Meisters angesehen. Marco Malagodi von der Università degli Studi di Pavia und seine Kollegen berichten in einer Studie, die im Fachjournal "Applied Physics A - Materials Science & Processing" veröffentlicht wurde, über die Ergebnisse verschiedener Analysemethoden. Zum einen konnten Malagodi und Kollegen bestätigen, dass "übermäßige und unsachgemäße Restaurierung" keine Lackschichten mehr auf der Geigendecke zurückließen. Zudem waren ein großer Teil der Einlegearbeiten ausgebessert worden. Allein dort, wo das Griffbrett montiert war, gab es Lackspuren.

Das Elfenbein in den Einlegearbeiten ist von pulverisiertem Ebenholz umgeben, das offenbar mit einem tierischen Eiweiß gebunden wurde. Der dunkle Bereich wurde mit einer Beize, die Spuren von Eisen beinhaltet, eingefärbt. Eine Datierung ergab, dass die Geige um 1659 gebaut wurde. Die Forscher bauten das Instrument schließlich nach, um die Wirkweise von Material und Technik zu verifizieren.

Die Ergebnisse unterstreichen die Vielseitigkeit von Stradivaris Handwerkskunst, betonen die Forscher. Auch wenn die meisten seiner Instrumente schlicht gehalten sind und vergleichsweise wenige derartige Verzierungen aufwiesen, war er vertraut mit den Handwerkstraditionen, die die reichdekorierten Holzarbeiten jener Zeit hervorbrachten. Typisch dafür sind im 17. Jahrhundert etwa die Instrumente von Matteo Sellas oder Joachim Tielke. (pum, DER STANDARD, 13.7.2013)

  • Die Abdeckung der untersuchten Stradivari-Geige.
    foto: marco malagodi / claudio canevari

    Die Abdeckung der untersuchten Stradivari-Geige.

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