Gletscher als Zukunftsinvestment

12. Juli 2013, 18:53
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Ein Münchner Maklerbüro bietet ein Tiroler Gletscherskigebiet zum Verkauf an, nun brodelt die Gerüchteküche. Die Diskussionsplattform "dietiwag" fand heraus, dass es sich um einen Südtiroler Gletscher handelt. Nordtiroler Investoren sollen Interesse zeigen.

Innsbruck - Äußerst diskret gehen Makler bei Deals mit hochwertigen Immobilien vor. So diskret, dass Angaben in öffentlichen Exposés verfälscht werden, um die Verkäufer zu schützen. Und so wird aus einem italienischen Gletscher ein österreichischer.

Die kritischen Insider dies- und jenseits der Alpen waren sich im Forum der Online-Plattform "dietiwag" schnell einig: Es könne sich beim Gletscherskigebiet in 3200 Metern Höhe mit Hotels und Hütten nur um den Schnalstaler Gletscher handeln. Das Vinschgauer Seitental ist seit den 1970er-Jahren hochtouristisch. Die Gletscherbahn erlebt aber seit ihrem Bestehen ökonomische Turbulenzen.

Skifahren nur noch zwischen Oktober und Mai

Der Kauf des Gletscherskigebiets sei in Zeiten des Klimawandels eine absolut perfekte Investition, wirbt der Makler. Die Realität sieht anders aus. Bei der letzten Hauptversammlung beschloss die Gletscherbahn AG, den Ganzjahresbetrieb aufzugeben. Skifahren auf dem Gletscher ist nur noch zwischen Oktober und Mai möglich. Der Grund ist der Klimawandel, auch der Schnalstaler Gletscher macht, was andere Gletscher im Alpenraum tun: Er zieht sich zurück.

Verkaufsabsichten bestätigt

Florian Kiem, Präsident der Gletscherbahnen AG, bestätigte dem STANDARD gegenüber die Verkaufsabsichten der Mehrheitseigentümer. Das sei kein Geheimnis im Schnalstal. Etwa 51 Prozent der Aktien stünden zum Verkauf, das habe man den Miteigentümern bereits im Jänner signalisiert. Dementiert wird von ihm, dass man mit Investoren aus dem benachbarten Ötztal in Verhandlungen sei. Gesprochen werde nur mit Schnalsern.

Für das Schnalstaler Investment hätten sich die Nordtiroler Interessenten einen bekannten Seilbahnkonzern aus Österreich zur Seite geholt, wurde aus der Schweiz kolportiert. Eine Nachfrage beim Marktführer Doppelmayr erntete Erstaunen. "Ein Gerücht, das sicher nicht stimmt", sagt dazu Doppelmayr-Sprecher Ekkehard Assmann. Das Unternehmen beteilige sich nicht an Skigebieten.

Nord-Süd-Konflikte

Interesse wird auch den Kaunertaler-Pitztaler Gletscherbahnen nachgesagt. Geschäftsführer Hans Rubatscher war für den STANDARD nicht erreichbar. Das Interesse für Vinschgauer Geschäfte dürfte bei den Pitztalern aber abgekühlt sein.

Rubatscher hatte sich für einen Verbund der angeschlagenen Vinschgauer Skigebiete Haideralm und Maseben mit dem Kaunertal-Gletscherskigebiet starkgemacht. Die Befürworter der Verbindung scheiterten an einer Bürgerversammlung. Man befürchtet Einmischung aus dem Norden und zusätzliche Verkehrsbelastung. Auch die Aktionäre der Haider AG machten einen Rückzieher, sie vertagten die Entscheidung und ließen Rubatschers Frist verstreichen. Die Nordtiroler wollen nun nicht mehr investieren. (Jutta Berger, DER STANDARD, 13./14.7.2013)

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