RTL mit Conchita Wurst? "Nicht unser Masterplan"

12. Juli 2013, 16:56
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Singen, Casten, Campen: Viel vom neuen RTL-Programm liest sich wie das alte. Trotz Marktanteilsverlusten will Senderchef Frank Hoffmann aber nicht von Krise sprechen. König Fußball wird ohnehin viel retten

Um die nahe Zukunft muss sich Frank Hoffmann keine Sorgen machen: Alle zwanzig Deutschland-Matches der EM- und WM-Qualifikation ab Herbst 2014 hat der RTL-Chef Deutschlands reichweitenstärkstem Privatsender gesichert – übrigens mit dem besseren Konzept: "Wir haben die Uefa überzeugt, dass wir unglaubliche Möglichkeiten haben" , sagt Hoffmann.  Die 100 Millionen Euro, die RTL bezahlt haben soll werden schließlich das Ihrige dazu beigetragen haben. Der TV-Manager ist fest entschlossen, die Kosten hereinzuspielen.

Das wird auch nötig sein, denn viel Grund zur Euphorie hatte  Hoffmann zuletzt nicht. Ein Jahr vor dem 30. Sendergeburtstag bewegt sich RTL auf schwierigem Terrain. Die Digitalisierung gräbt dem Fernsehen Marktanteile ab. Das geht auch an RTL nicht spurlos vorüber. Eiskalt hat Hoffmann die Krise der Marktanteile dennoch nicht erwischt: Die damalige RTL-Chefin Anke Schäferkordt – sie führt heute die Sendergruppe – habe den Einbruch  schon 2011 prophezeit: "Uns war klar, dass es so nicht weiter gehen kann" , sagt Hoffmann.

Drei Arztserien

Neben Fußball verkommt in der neuen Saison alles andere zum schmückenden Beiwerk. Große Innovationen sucht man gerenell im TV vergeblich. Risikofreude war noch nie die Stärke der Branche, und so finden sich neben Morgen- und Sonntagsmagazin, neben Günther Jauch und viel Thomas Gottschalk  wieder geskriptete Realitydokus (Hilfe, Pubertät!, Berlin Models), Shows zum Mitwählen (Abba – Die Show, Das Supertalent), überdrehte Comedys (Sekretärinnen – Überleben von neun bis fünf), geschmeidige Krimiserien und drei  (!) neue Arztserien. Das Serieneinerlei habe vor allem praktische Gründe, erklärt Hoffmann: "Um Serien nicht zu teuer werden zu lassen, braucht man ein bestimmtes Setting, auf das man immer wieder zurückgreifen kann. Dazu gehören Medizin und Crime, denn das sind Geschichten mit eine hoher Fallhöhe." Heißt: Es geht um Leben und Tod.

Die geplante Informationsoffensive mit üppigem Angebot zu den deutschen Wahlen hat das Pubilkum indirekt Aufdeckerjournalist Günter Wallraff zu verdanken. "Team Wallraff war zunächst als Beitrag geplant, mit einer Kollegin, die mehrere Monate als Putzfrau arbeitete" , sagt Hoffmann. "Jetzt haben wir ein Format mit einem Potenzial, mehr als 20 Prozent Marktanteil zu erreichen" .

Bei "Deutschland sucht den Superstar" hält Hoffmann eine Weiterentwicklung für nötig: "Wir haben dramaturgische Schwachstellen" , gesteht er. Von einer Krise beim RTL-Wettsingen mag er dennoch nicht sprechen: "Die Krise von 'Deutschland sucht den Superstar' wurde herbeigeschrieben. Wir haben im zehnten Jahr Marktanteile von mehr als 20 Prozent."  Dass Bohlens Sohn bei der nächsten Staffel von Deutschland sucht den Superstar als Juror mitmische, wie zuletzt zu lesen, sei frei erfunden.

Ein Quotenproblem hat dagegen die Talenteshow "Das Supertalent" –  allerdings eines der Geschlechterverteilung: "Wir brauchen eine Frau für die Jury."  Wie wär's mit Conchita Wurst, die in der Trashshow "Wild Girls" derzeit Sympathiepunkte sammelt? Hoffmann lacht, winkt aber ab: "Ich finde, sie hat etwas Entwaffnendes, aber sie ist auch nicht unser Masterplan."

Der STANDARD war auf Einladung von IP Österreich in Hamburg. (Doris Priesching, DER STANDARD, 13.7.2013)

 

  • RTL setzt auf Trash-TV, Quote wird in der neuen Saison aber der Fußball bringen.
    foto: rtl

    RTL setzt auf Trash-TV, Quote wird in der neuen Saison aber der Fußball bringen.

  • RTL-Senderchef Frank Hoffmann.
    foto: rtl

    RTL-Senderchef Frank Hoffmann.

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