Indien verabschiedet sich vom Telegramm

12. Juli 2013, 18:19
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In Österreich ist das gute alte Fernschreiben 2005 eingestellt worden, in Deutschland lebt es noch

Bonn - Im Zeitalter von Smartphones und E-Mail verabschiedet sich nun auch Indien diese Tage von einer über 160 Jahre alten Tradition in der Telekommunikation - vom guten alten Telegramm. Offiziell wird der Dienst zwar erst am Montag eingestellt. Tatsächlich aber konnten die Fernschreiben am Freitag zum letzten Mal verschickt werden. Am Montag ist in Indien Feiertag.

In Österreich war der Dienst der Telekom Austria mit 31. Dezember 2005 eingestellt worden; gegen Ende der Ära wurden pro Monat nur mehr deutlich unter 10.000 Telegramme versendet - den Höchstwert hatte es im Gesamtjahr 1913 mit 23 Millionen Stück gegeben.

Bis zum Siegeszug von Handy und Internet waren Telegramme in Indien das Hauptkommunikationsmittel für den Versand von Nachrichten über lange Strecken. 1947 etwa, im Jahr der indischen Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft, wurden 20 Millionen Nachrichten verschickt. 2012 waren es noch 40.000 Telegramme. Die Bevölkerung hatte sich inzwischen vervierfacht. Heute leben 1,2 Milliarden Menschen auf dem Subkontinent.

Neue Jobs für Telegrafisten

Zuletzt gab es noch 75 Telegramm-Büros am Subkontinent. Das zuständige Ministerium für Telekommunikation beschäftigte noch knapp 1.100 Telegrafisten. Diese werden künftig an anderer Stelle in den Diensten des Ministeriums arbeiten. Die bis zuletzt immer persönlich durch Boten überbrachten Telegramme mit Nachrichten wie über Geburten, Todesfälle oder andere wichtige Ereignisse sind ab kommender Woche in Indien also Geschichte.

In Deutschland hingegen ist das Telegramm noch längst nicht Vergangenheit. "Das Telegramm lebt - es gibt keine Überlegungen, das Produkt einzustellen", sagte ein Sprecher der Deutschen Post am Freitag in Bonn. Bei den Fernschreiben handle es sich um "eine sinnvolle Ergänzung unserer Produkte". Das Telegramm lebe von seiner "persönlichen Ansprache". Durch die Möglichkeit, es mit Schmuckblättern zu versehen, habe es auch "eine gewisse Wertigkeit". Zur Zahl der jährlich verschickten Telegramme mache die Post aber "grundsätzlich" keine Angaben, sagte der Konzernsprecher.

Die Deutsche Post bietet - wie in Österreich beispielsweise das private Unternehmen telegramm.at mit Sitz in der Schweiz, das den Dienst von der Telekom Austria mit Jahresstart 2006 übernommen hatte - Telegramme in verschiedenen Varianten an. (APA, 14.7.2013)

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    Das Telegramm stirbt noch keineswegs vollständig aus, ganz professionell wird es noch bei den Nachbarn übermittelt. Anders als die hobbymäßig betriebene Taubenpost.

     

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