Reden und Musik in Moll

12. Juli 2013, 17:16
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Eröffnung des 45. Carinthischen Sommers im Villacher Congress Center

Villach - Von Sonntagsreden, noch dazu an einem Donnerstag, halte er nicht viel, sagte Thomas Daniel Schlee, auch nicht, wenn sich die politische Lage verändert hat. Immerhin. Nachdem der Intendant des Carinthischen Sommers (CS) im vergangenen Sommer aus Frust über mangelnde (kultur)politische Unterstützung geschwiegen hatte, sprach er am Donnerstagabend zur Eröffnung des 45. CS.

Er tat es elegant, mit melancholischer Ironie und feinem Witz - Eigenschaften, die er später auch für die Programmierung des Eröffnungskonzertes bewies. Man sollte Kunst nicht als Kostenfaktor begreifen, gab er den Gästen mit in den Sommer, sondern als Tugend, durch die sich der Mensch verwandelt und erhöht.

Vor zwei Jahren hatte er, ebenfalls zur Eröffnung, gemeint, man müsse schon den Zustand der Stagnation als erstrebenswert erachten. Doch statt Stagnation gab es massive Budgetkürzungen von Land und Bund. Ministerin Claudia Schmied war übrigens, wie auch in den letzten Jahren, nicht bei der Eröffnung. Mörbisch lag ihr vermutlich näher. Dafür kam - erstmals seit langem - Kärntens Kulturlandesrat, weil er nicht mehr Harald Dobernig, sondern Wolfgang Waldner heißt, und beschwor die internationale Strahlkraft des CS. Weshalb Landeshauptmann Peter Kaiser auf Deutsch, Slowenisch, Italienisch und Englisch begrüßte, ehe er über geleerte Kassen und "Not wendende" Festspiele sinnierte.

Die Bürgermeister von Villach (Helmut Manzenreiter, SP) und Ossiach (Michael Huber, VP), den CS-Hauptspielorten, forderten als lebenserhaltende Maßnahmen Solidarität und tragfähige Strukturen. In einem "Bouquet von Kulturveranstaltungen" habe der CS seinen fixen Platz, freute sich Bundespräsident Heinz Fischer, treuester CS-Gast, und wünschte dem Festival auch schon für 2014 und 2015 viel Glück: seine diplomatische Art, Politiker zur Unterstützung des CS aufzufordern.

Festredner Rainer Bischof schließlich, dessen anspielungsreiche Komposition Tu felix ... die Eröffnungsrederei beendete, erzählte unter dem Motto Das Überflüssige ist das Notwendige - Das Festspiel von fröhlichen Leichenschmäusen; zitierte Nietzsche, der Festefeiern als geistige Nahrung für die Menschen sah; sprach von der Negativumkehrung des Begriffes "Fest" durch Auschwitz und Hiroshima; und kam schließlich aufs Geld zu sprechen: Förderung von Festivals verursache Freude - und reduziere solcherart die Gesundheitsausgaben.

So gesehen hat das von Manfred Honeck dirigierte Eröffnungskonzert der Camerata Salzburg mit Werken Mozarts die Arztkosten deutlich reduziert. Zum fest-fröhlichen Auftakt: Sechs Deutsche Tänze, die Mozart 1787 angeblich in nur einer Stunde in Prag komponierte, euphorisiert vom Triumph seiner Oper Die Hochzeit des Figaro. Anschließend das melancholisch-dramatische sinfonische Klavierkonzert in c-Moll KV 491 (fein nuanciert am Flügel: Till Fellner). Es ist, neben dem 20. Klavierkonzert KV 466, das einzige, das Mozart in Moll geschrieben - und eines der wenigen, für das er Klarinetten vorgeschrieben hat.

Komponieren mit Geldsorgen

Passend zur aktuellen Stimmungs- und tristen Finanzlage des CS die Sinfonie Nr. 39 in Es-Dur, KV 543, die Mozart 1788, von Geldsorgen und Depressionen geplagt, binnen sechs Wochen schrieb: ein Kaleidoskop aus barocken und romantischen, lyrischen und dramatischen, höfischen und ländlerischen Anklängen. Sechs Wochen, bis 24. August, geht der CS: ein Kaleidoskop aus Konzerten und Lesungen, Lyrischem und Dramatischem, Neuem und Altem. Nur die Kirchenoper fehlt. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 13./14.7.2013)

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