"Die Unfassbaren": Der Schein trügt nur so weit, wie die Gutgläubigkeit reicht

12. Juli 2013, 17:44
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Verdächtige Magier im Blockbuster "Die Unfassbaren"

Wien - "Sie schauen zu genau hin", sagt einer der Magier, die in Louis Leterriers Actionfilm Die Unfassbaren (Now You See Me) einem FBI-Mann gegenübersitzen. Die Künstler sollen eine Bank ausgeraubt haben, und zwar während einer großen Bühnenshow, die ihnen eigentlich ein perfektes Alibi gibt. Doch wie es eben so ist bei Trick und Zauberei: Es ist immer alles anders, als es scheint.

Gleichzeitig gilt für den Film wie für die Illusionen die alte Regel: Was man sieht, ist das, was man kriegt. Die Geschichte ist mehrfach abgründig. Da sind zuerst einmal die einzelnen Könner, die zu Beginn versammelt werden: Daniel Atlas, Merrit McKinney, Henley Reeves und Jack Wilder (schon die Namen sind ausgesucht verwirrend) werden von einem Unbekannten zu einer Einheit geformt, die sich ein Jahr lang auf einen ersten Auftritt in Las Vegas vorbereitet. Dabei wird die Grundidee des Films schnell deutlich: ein bisschen Ocean's Elfzwölfdreizehn, ein bisschen Prestige, wobei die Ironie von Soderberghs Heist-Filmen in Die Unfassbaren wenig Platz hat.

Das FBI setzt sich auf die Spuren der vier Horsemen, wie sie sich nennen. Eine Kollegin von Interpol ist aus Gründen der Romantik wie der weltpolizeilichen Arbeitsteilung auch dabei. Mark Ruffalo spielt den Polizisten, der gegenüber der Zaubertruppe regelmäßig das Nachsehen hat, und zwar auch dann, wenn es in wilden Verfolgungsjagden eigentlich nur mehr auf Reaktionsschnelligkeit und nicht mehr wirklich auf Illusionismus ankommt. Doch es gehört zum Vergnügen in Die Unfassbaren, dass die Tricks funktionieren, auch wenn sie eigentlich schon ein so bombastisches Ausmaß annehmen, dass nur noch ein Hollywood-Film mit beträchtlichem Budget dafür die Gewährleistung übernehmen kann.

Für den Film Die Unfassbaren gilt eben dasselbe wie für die Shows der vier Horsemen: Der Schein trügt nur so weit, wie die Gutgläubigkeit des Publikums reicht. Louis Leterrier, der 2008 einen ziemlich guten Hulk mit Edward Norton abgeliefert hat, tut hier alles, um dem Blick möglichst wenig Halt zu geben. Die Kamera ist höchst mobil, vollführt dabei aber meist nur ganz konventionelle Kreisbewegungen, unterbrochen durch rasante Schnittfolgen.

So werden wir mit viel Getöse an ein Geheimnis herangeführt, bei dem die Filmemacher es mit ihrer Allmacht über die Geschichte doch deutlich übertreiben. Deswegen werden einem Die Unfassbaren wohl vor allem in dem Maß besser gefallen, in dem man nicht so genau hinschaut. (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 13./14.7.2013)

  • Kann mehr als Kartentricks: Jungstar Jesse Eisenberg als Magier Daniel Atlas.
    foto: constantin

    Kann mehr als Kartentricks: Jungstar Jesse Eisenberg als Magier Daniel Atlas.

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