Gehörlosenbund fordert Gebärdensprachen-Kompetenz für Lehrer

12. Juli 2013, 14:57
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Gehörlose Kinder sollen in Muttersprache unterrichtet werden - Festakt und Bildungskongress anlässlich 100-jährigem Bestehen

Wien - Gebärdensprache, ihre Grammatik und Syntax, muss wie Turnen, Englisch oder Mathematik unterrichtet werden. Das forderte Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes, am Freitag bei der Pressekonferenz anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Gehörlosenbundes. "Gehörlose Kinder in Österreich haben immer noch nicht das Recht, in ihrer Muttersprache unterrichtet zu werden", kritisierte die Abgeordnete der Grünen. Deshalb brauche es verpflichtende Gebärdensprache-Kompetenz für Lehrer, bilingualen Unterricht in Laut- und Gebärdensprache und ausreichend zur Verfügung gestellte Dolmetscher.

Anerkennung der Gebärdensprache "totes Recht"

Den Inklusionsfahrplan des Unterrichtsministeriums, basierend auf der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, habe bis jetzt sein Ziel klar verpasst, meinte Jarmer. Zwar steht die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache seit 2005 in der Verfassung, sie sei allerdings totes Recht. Es fehle vor allem an Lehrern mit ausreichender Kompetenz in Gebärdensprache und inklusiver Bildung. Derzeit müssten Lehrer nicht einmal eine Prüfung in Gebärdensprache absolvieren.

Gehörlose erhalten oft nur Sonderschulzeugnis

"Bildung braucht beide Sprachen, Kinder müssen selbst entscheiden dürfen, wann sie welche einsetzen", so Jarmer. Oft werde für gehörlose Kinder automatisch der Lehrplan reduziert, am Ende erhalten sie nur ein Sonderschulzeugnis. "Und das entspricht sicher nicht ihrem Niveau". Aber nicht die Lehrer seien das Problem, sondern das System selbst. Mit dem 2. Bildungskongress, der Freitag und Samstag unter dem Motto "Gebärdensprache macht stark" stattfindet, wolle man erneut auf diese Problematik hinweisen.

Preis an Prammer und Glawischnig

Das 100-Jahre-Jubiläum des Gehörlosenbundes wird am Samstag auch mit einem Festakt im Rathaus in Wien gefeiert. Dabei werden vier Personen mit dem "Türkisen Ribbon" für ihre Verdienste um Gebärdensprache und Gehörlosenkultur ausgezeichnet. Mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) und der Grünen-Klubobfrau Eva Glawischnig stehen zwei der Preisträger schon fest. Die beiden weiteren werden morgen überraschend bekannt gegeben. Das Türkise Ribbon überreicht der ÖGLB seit 2005. (APA, 12.7.2013)

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