Neue Bezirkschefin in Hietzing: "Politik ist keine Männerdomäne mehr"

14. Juli 2013, 18:46
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Mit Silke Kobald steht nun die elfte Frau an der Spitze eines der 23 Wiener Gemeindebezirke

"Ich gebe den Bewohnern meine Handynummer und versuche alle E-Mails selbst und schnell zu beantworten." Für Silke Kobald ist Bürgernähe das allerwichtigste. Die ÖVP-Politikerin ist seit 8. Juli Bezirksvorsteherin in Hietzing. Sie beerbt Heinz Gerstbach, der nach 23 Jahren im Amt in Pension geht. "Den Menschen zu dienen. Das ist mein Grundverständnis von Politik", sagt Kobald im Gespräch mit derStandard.at.

In elf der 23 Wiener Bezirke stehen mittlerweile Frauen an der Spitze. Die lange Jahre von Männern dominierte Funktion gerät zunehmend in weibliche Hand. "Politik ist keine Männerdomäne mehr", ist die 41-jährige Kobald überzeugt. Auch in anderen Parteien und Bezirken hat es zuletzt Rochaden geben. Im März übernahm SPÖ-Politikerin Susanne Schaefer-Wiery (52) in Wien-Margareten von Kurt Wimmer. In der Josefstadt ist mit Veronika Mickel schon seit der letzten Wahl eine junge Frau an der Bezirksspitze.

Einige Kaliber sind freilich immer noch im Amt. Adi Tiller zum Beispiel, der seit 1978 an der Spitze in Döbling steht. Erich Hohenberger aus Wien-Landstraße ist seit 1989 im Amt. Ursula Stenzel ist zwar erst seit 2005 Bezirksvorsteherin im 1. Bezirk, mittlerweile aber auch schon 67 Jahre alt. Gerade die genannten Beispiele sind Inbegriff mächtiger Bezirkspolitiker. Keine Seltenheit, dass die Stadtpolitik ihren Forderungen nachkommt.

"Wissen ist macht"

Woher kommt diese Durchsetzungskraft? Kobald ist der Meinung, dass Bezirkschefs nicht von vornherein mächtig sind. "Das hat mir der jahrelangen Arbeit zu tun, sie haben sich ihren Stellenwert erarbeitet." Mächtig sei "nicht das richtige Wort", sagt auch Schaefer-Wiery. "Man weiß viel über den Bezirk und Wissen ist Macht." Ähnlich wie Kobald setzt sie auf Bürgernähe: "Zuhören ist anstrengend, aber das Konzentrieren auf alle Bürger das allerwichtigste."

Eines unterscheidet die beiden Politikerinnen jedoch: während Schaefer-Wiery den Kontakt zur Stadtregierung als befruchtend beschreibt, beschwert sich Kobald, dass die Regierenden von Rot und Grün zu wenig auf Wünsche der Bevölkerung eingehen. "Sie fahren drüber über die Menschen und die Bezirke." Ein Beispiel? "Die Parksituation", sagt Kobald. Der derzeitige Fleckerlteppich sei "einer Weltstadt nicht würdig". (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 14.7.2013)

  • Das Hietzinger Bezirksamt, die Arbeitsstätte der neuen ÖVP-Bezirksvorsteherin ...
    foto: richard schmögner

    Das Hietzinger Bezirksamt, die Arbeitsstätte der neuen ÖVP-Bezirksvorsteherin ...

  • ... Silke Kobald.
    foto: richard schmögner

    ... Silke Kobald.

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