Kinderarzt Hans Czermak wäre 100 Jahre alt

12. Juli 2013, 14:26
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"Die g'sunde Watsch'n macht krank", lautete eine seiner Maximen - Wiener Sozialpädiater setzte Ziel der Gewaltlosigkeit in der Erziehung gesetzlich durch

"Die g'sunde Watsch'n macht krank" und "Der Krieg beginnt im Kinderzimmer" - so einprägsam wie seine Formulierungen klangen, so wirkmächtig war das Wirken von Hans Czermak, dem Wiener Kinderarzt und Sozialpädiater. Am 18. Juli jährt sich sein Geburtstag zum hundertsten Mal. Czermak, auch Gründer des Österreichischen Kinderschutzbundes sowie des Vereins für gewaltlose Erziehung, starb am 12. Dezember 1989 in Wien.

Der spätere Kinderarzt und Universitätsprofessor wurde am 18. Juli 1913 in Krems an der Donau in Niederösterreich geboren. Er studierte Medizin in Innsbruck und Wien. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Truppenarzt vor allem in Russland. Nach 1945 absolvierte er Studien für Sozialpädiatrie in Paris, Stockholm und London. Mehr als vier Jahrzehnte lang war er in Wien als Kinderarzt tätig. 1949 übernahm er die Leitung der beiden Neugeborenenstationen an der Wiener Universitätsfrauenklinik, von 1962 bis 1978 war er Leiter des Preyer'schen Kinderspitals in Wien.

Das Recht auf eine glückliche Kindheit

Der Ausgangspunkt von Czermaks lebenslangen Bemühungen um Kinder-, Jugend- und Gewaltschutz war das Prinzip, dass jedes Kind das Recht auf eine glückliche Kindheit hat. 98 Prozent der Kinder kämen psychisch und physisch gesund zur Welt. Doch schon in der frühen Kindheit stellten sich bei etwa 50 Prozent Störungen ein. Das sei auch durch Gewalt in Erziehung und Familie bedingt.

"Das Erschütternde ist, dass der Beginn der Gewalt gegen Kinder im zehnten Lebensmonat einen Durchschnittswert darstellt, also in einer Reihe von Fällen schon früher einsetzt." Gewalt in der Erziehung werde tradiert, führe zu Gewalt in der Gesellschaft bis hin zu Gewalt in politischen Auseinandersetzungen.

Gewaltfreiheit ins Gesetz

Gekrönt wurde das Lebenswerk des Kinderarztes mit einer von ihm angeregten Gesetzesänderung, dem Bundesgesetz vom 15. März 1989 (Kindschaftsrecht-Änderungsgesetz). Damit wurde der bis dahin geltende Passus, dass das minderjährige Kind die Anordnungen der Eltern zu befolgen habe, um einen wichtigen Zusatz ergänzt. Der bisherige Passus lautete: "Die Eltern haben bei ihren Anordnungen und deren Durchsetzung auf Alter, Entwicklung und Persönlichkeit des Kindes Bedacht zu nehmen." Auf Czermak geht folgende Ergänzung zurück: "Die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leides sind unzulässig."

Zur Erinnerung an den 1989 verstorbenen Pädiater wird in Österreich alle zwei Jahre der Hans-Czermak-Preis für besondere Leistungen im Dienste der Gewaltfreiheit gegenüber Kindern mit Unterstützung vom Verband Wiener Volksbildung, der Stadt Wien (Magistratsabteilung 13), der Generali-Versicherung und des ORF verliehen. (APA/red, derStandard.at, 12.7.2013)

  • "Kinder verdienen unsere Achtung, und deshalb tut für sie, was immer ihr könnt!" - Der Kinderarzt Hans Czermak.
    foto: österreichischer kinderschutzbund

    "Kinder verdienen unsere Achtung, und deshalb tut für sie, was immer ihr könnt!" - Der Kinderarzt Hans Czermak.

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