Linzer Kulturlokal "Rother Krebs" droht das Aus

15. Juli 2013, 14:26
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Nach Schäden durch das Hochwasser beurteilt ein Gutachter das Linzer Lokal als "unbenutzbar"

Das "Grand Hotel Cafe zum Rothen Krebs" in Linz ist ein beliebtes Lokal der Kunst- und Kulturszene. Betrieben wird es von dem "Institut für erweiterte Kunst" (IFEK). Da es direkt an der Donaulände liegt, wurde es im Juni durch das Hochwasser beschädigt. Viele Freiwillige beteiligten sich danach an den Aufräumarbeiten.

"Wir wären eigentlich nächste Woche so weit, den Krebsen wieder aufzumachen", sagt Hannes Langeder vom IFEK. Doch dazu wird es wahrscheinlich nicht kommen. Vergangene Woche erhielt er einen Brief vom Besitzer des Lokals. Der Krebs sei nicht zu reparieren und müsse deshalb geschlossen werden, heißt es in dem Schreiben.

Gehobene Gastronomie statt Krebs

2009 kam es zu einem Besitzerwechsel, mit dem neuen Vermieter gab es immer wieder Reibereien. "Das Mietverhältnis war von Anfang an schlecht. Wir glauben, dass die uns schon immer loswerden wollten und jetzt einen Grund dafür gefunden haben", meint Langeder. Der Mietvertrag läuft eigentlich bis 2015.

Bei dem Besitzer des Hauses handelt es sich um die LSW-Privatstiftung von XXXLutz-Miteigentümer Andreas Seifert. Die Verbindung zu der Möbelkette selbst wurde durch eine Aussendung des IFEK hergestellt. Momentan läuft ein Shitstorm gegen die Facebook-Seite von XXXLutz.

Eine Anfrage um eine Stellungnahme zur Schließung des Rothen Krebsen beantwortete XXXLutz-Pressesprecher Thomas Saliger wie folgt: "Vonseiten XXXLutz gibt es dazu keine Stellungnahme, da die Angelegenheit rein gar nichts mit dem XXXLutz Handelsbetrieb zu tun hat."

Das eigentliche Problem liege aber bei der Hausverwaltung, die nun gerne ein Lokal für "gehobene Gastronomie" im Haus einrichten möchte, meint Langeder. "Wir sind auch eine gehobene Gastronomie, aber bei uns schaut's halt anders aus. Wir stehen drauf, dass alles nicht so perfekt ausschaut", so Langeder über den bewusst gewählten Shabby Look der Bar.

"Anfang 2015 endet der Mietvertrag und der wäre sowieso nicht verlängert worden. Das weiß der Herr Langeder auch. Ich müsste jetzt 100.000 Euro in das Objekt stecken, von der Versicherung bekommen ich nur 7.000, und das für höchstens zwei Jahre. Weil dann muss ich ja sowieso neu denken, was mit dem Gebäude geschehen soll", sagt Astrid Lipp-Grohs, die Hausverwalterin des Gebäudes, gegenüber FM4.

Abreißen dürfe sie nicht, "weil es steht ja unter Denkmalschutz". "Aber in dem Zustand, wie das Haus jetzt ist, kann ich es weder verkaufen noch vermieten. Die Wände, ja auch das Gestein, auf dem das Gebäude steht, ist ja mittlerweile schon durchtränkt, da habe ich womöglich bald den Schimmel im ganzen Haus", so die Hausverwalterin.

Gutachten: Räume unbenutzbar

Der Gutachter bemängelte den Zustand des Krebsen: Böden und Wände seien stark durchfeuchtet und die sanitären Anlagen unbrauchbar. Aufgrund dieser Schäden seien die Räumlichkeiten unbenutzbar. "Bei uns schaut es jetzt nicht viel anders aus als vor dem Hochwasser. Das Einzige, das repariert werden muss, ist die elektrische Anlage, und das würde nicht mehr als 1.500 Euro kosten", meint Langeder.

Der Gutachter geht aber von einem Schaden von 50.000 Euro aus. "Uns jetzt hinauszuwerfen, wo wir eh schon durch das Hochwasser angeschlagen sind, ist moralisch unter jeder Kritik", so Langeder. Die IFEK wird nun die Schlichungsstelle des Linzer Magistrats um Hilfe bitten.

Die IFEK sei auch bereit, rechtliche Schritte einzuleiten, sagt Langeder. "Wenn der Krebs aber noch länger als ein Monat geschlossen bleibt, dann haben wir ein existenzielles Problem." In der Tabakfabrik hat der Rothe Krebs einstweilen ein Ausweichquartier gefunden.

Die Gäste des Rothen Krebsen wollen eine Schließung verhindern. Es hat sich die Initiative "Verein zur Rettung des Grandhotel zum Rothen Krebsen" gebildet, die auf Facebook bereits nach 24 Stunden 2.300 Fans hatte. (Lea Luna Holzinger, derStandarda.at, 15.7.2013)

Der "Rothe Krebs" informiert auf seiner Facebook-Seite regelmäßig über den Stand der Dinge.

Gegen die Facebook-Seite von XXXLutz läuft ein Shitstorm.

Mit dem "Verein zur Rettung des Grandhotel zum Rothen Krebsen" versuchen die Gäste des Lokals seine Schließung zu verhindern.

  • Der "Rothe Krebs" in Linz erlitt durch das Hochwasser schwere Schäden.
    foto: rother krebs/hannes langeder

    Der "Rothe Krebs" in Linz erlitt durch das Hochwasser schwere Schäden.

  • Freiwillige halfen bei den Aufräumarbeiten.
    foto: rother krebs/hannes langeder

    Freiwillige halfen bei den Aufräumarbeiten.

  • Der "Rothe Krebs" ist ein beliebtes Lokal der Linzer Kulturszene. Seine Gäste wehren sich gegen die Schließung.
    foto: rother krebs/hannes langeder

    Der "Rothe Krebs" ist ein beliebtes Lokal der Linzer Kulturszene. Seine Gäste wehren sich gegen die Schließung.

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