Mein Wahl-Kampf

Kolumne12. Juli 2013, 17:13
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Der erste Vorgeschmack auf den Herbst. Von Julya Rabinowich

Gleich den Osterhasen knapp nach Weihnachten und den Weihnachtsmännern knapp nach Ostern lassen sich schon jetzt Kleidungsstücke aus Herbstkollektionen in den Geschäften finden, Jacken und blickdichte Strümpfe erobern in der Julischwüle die Regale. Immer ihrer Zeit voraus.

Der konditionierte Käufer unterstützt das Karussell, das sich immer schneller dreht, bis es irgendwann so schnell geworden ist, dass die Weihnachtsmänner tatsächlich erst zu Weihnachten aus den Auslagen lachen. Aber was die Wirtschaft kann, kann die Politik schon lang. Sie wird nicht müde, das stets aufs Neue zu beweisen. Am schönsten war das gemeinsame Umsichselbstdrehen, euphorischen Hundebegrüßungszeremonien nicht unähnlich, im Tierschützerprozess zu beobachten: eine einzigartige Verquickung von Postdemokratie, Wirtschaftsinteressen und der vorauseilenden Erfüllung dieser Wünsche durch die vom Volke fürs Volk ins Rennen geschickte Politik.

Es sprießen also neben Him-, Erd- und Heidelbeeren im Sommer auch die Wahlplakate, die einem ganz andere Bären aufbinden möchten, möglichst bevor man noch in den Urlaub verschwindet, um dort neue Denkprozesse anregen zu können. Die Stadt hat plötzlich tausend Augen. Der sattsam grinsende Frank hat offenbar im Zuge des Wahlkampfs eine neue Identität erhalten: Unter dem Konterfei steht unübersehbar: Aufrichtig Frank. Herr Frank Aufrichtig, der Kanadaauswanderer, hat außer dieser Namensänderung nichts an Inhalt zu bieten. Immerhin wirklich aufrichtig.

Strache fordert geradezu halsbrecherisch "Recht und Ordnung statt falscher Toleranz." Da bin ich absolut dabei, wenn endlich unter den blauen Korruptionistas und Wiederbetätigern aufgeräumt wird. Bucher, dessen Lächeln die Verzweiflung im Blick nicht wegleugnen kann, wirbt mit der Bankrotterklärung "Steuern runter". Wer bei solchen Slogans angelangt ist, weiß, dass er bald nichts mehr zu melden hat. Da hat man nicht die Steuern runter. Sondern die Hosen.

Die Grünen machen ein bisschen auf Jugendzeitschrift. Oder Schülerzeitung. Das ist aber verzeihlich. ÖVP und SPÖ haben die Erotik des Wahlkampfs entdeckt. Faymann mit einem leicht onanistisch anmutendem "Stürmische Zeiten. Sichere Hand." Selbstverliebt griffig, aber immerhin untergrifflos.

Die ÖVP, die die paradiesische Frau Karl tapfer aussitzen möchte, macht sich, neben einem sich öffnenden Hosentürl mit der Aufschrift "Auf geht' s" und Rot-Weiß-Rot dahinter, auch plakativ Sorgen um Omas Sparbuch. Trotz einschlägiger Erfahrungen ortet sie den Dieb aber bei den Roten. Im Kino läuft gerade Ich, einfach unverbesserlich 2 an. Das könnte Programm werden. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 13./14.7.2013)

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