Verbraucherpreise legen um fast elf Prozent zu

12. Juli 2013, 13:28
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Vor allem die Mieten erweisen sich einmal mehr als Preistreiber, in Österreich stiegen sie drei mal so stark wie in Deutschland

Wien - Die Verbraucherpreise sind seit 2009 in Österreich mit 10,7 Prozent rund ein Viertel höher gestiegen sind als in Deutschland, so die Bank Austria. Bei den Nachbarn legten die Preise im Zeitraum seit Mitte 2009 bis heute lediglich um 7,5 Prozent zu. Für die höhere Inflation seit 2009 waren demnach die Ausgabengruppen Verkehr, Wohnen und Nahrungsmittel verantwortlich.

Auf den Verkehr entfielen 20 Prozent vom Preisanstieg, auf Wohnen 17 Prozent und auf Nahrungsmittel zwölf Prozent. Im Bereich Wohnen war der stärkste Anstieg bei den gezahlten Mieten seit Mitte 2009 zu beobachten: In Österreich stiegen in diesem Zeitraum die gezahlten Mieten um 16 Prozent, in Deutschland lediglich um fünf Prozent.

Sensibler Bereich

"Weniger die absolute Höhe des Anstiegs der Preise macht die Inflation gefühlt und wirtschaftlich zur Belastung, sondern deren Anstieg in Relation zum teilweise stagnierenden Einkommen", analysiert Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria. "Besonders in einem sehr sensiblen Bereich, dem Wohnen, war der Anstieg der Preise in Österreich stärker als in Deutschland", fasst Bruckbauer zusammen. Dass die Europäische Zentralbank mit ihrer lockeren Geldpolitik für die Teuerung verantwortlich ist, glaubt er nicht. "Die Inflationsentwicklung in Österreich hat vielfältige Ursachen, von globalen Entwicklungen bis hin zu lokalen Marktgegebenheiten", so Bruckbauer. Seine Inflationsprognose für 2013: 1,9 Prozent.

Auseinanderklaffen von Anfrage und Nachfrage

Bruckbauer sieht am Immobilienmarkt ein Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage. " Dabei spielt der rückläufige Anteil geförderter Neubauten eine Rolle, ebenso wie die Umleitung von Fördermitteln vom Neubau in die Sanierung und die Tatsache, dass der Sanierungsboom selbst zu einer Beschleunigung des Preisanstiegs vor allem im Mietwohnsektor führte", so der Experte.

Von den 1,1 Millionen armutsgefährdeten Menschen im Land leben knapp ein Drittel, und das mit steigender Tendenz, in überdurchschnittlich teuren privaten Mietwohnungen. Nach Abzug der Wohnkosten vom Einkommen wächst der Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung von 12 Prozent auf rund 26 Prozent der Gesamtbevölkerung. 2007 lag der vergleichbare Anteil bei rund 24 Prozent, rechnete Bruckbauer vor.

"Trotz des starken Anstiegs der Mieten in den letzten Jahren, ist Wohnraum in Österreich im europäischen Vergleich aber noch leistbar", glaubt allerdings Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf. (APA/red, derStandard.at, 12.7.2013)

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    Wohnen bedeutet für die meisten Wohlfühlen. Ein schöner Ausblick kann dabei helfen, die Preise dafür könnten andrerseits dem Wonnegefühl etwas zusetzen.

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