Initiative fordert neue Baukultur für Graz

12. Juli 2013, 12:07
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Online-Unterschriftenaktion gegen überdimensionierte Investoren-Projekte - Klare planerische Vorgaben gefordert

Graz - Eine Initiative "für ein unverwechselbares Graz" fordert für die steirische Landeshauptstadt mehr städtebauliche Qualität ein und wendet sich gegen überdimensionierte Bauvorhaben, die immer häufiger das Erscheinungsbild der Stadt "verunstalteten". Die am Freitag vorgestellte Gruppe sammelt unter anderem online Unterschriften, um ihrer Meinung nach notwendige Änderungen in den Regularien im Sinne einer zeitgemäßen Baukultur durchzusetzen.

In der Dokumentation der aktuellen Bausünden findet sich die voluminöse Überbauung der Thalia mit ihrem denkmalgeschützten Kern aus den 1950er-Jahren. Weiters der anstelle eines Gasthauses aus dem 18. Jahrhundert errichtete Block des K1-Techno-Parks Graz-West bei der FH Joanneum und das Wohn-und Bürogebäude Pfauengarten, "ein architektonisch belangloses Investitionsprojekt" als Verbauung einer Bastion aus dem 16. Jahrhundert und einer sensiblen Verbindungsachse zwischen Altstadt und Stadtpark. Dazu komme eine Reihe von Lückenverbauungen in Gründerzeitvierteln, die das Umfeld nicht berücksichtigten, und problematische Renovierungen, so die Initiative. Bei Wohnbauprojekten am Stadtrand sei "ein Rückfall in die 1960er-Jahre festzustellen."

Respekt vor Gewachsenem

"Wir rufen keineswegs nach dem Glassturz und wollen die Altstadt als Museum", betonte Doris Pollet-Kammerlander, Beraterin und frühere Grünen-Mandatarin. Man sei für eine Stadtentwicklung, die Veränderung zulasse, jedoch mit Respekt vor Gewachsenem und unter der Prämisse der Verhältnismäßigkeit und der Orientierung an den Bedürfnissen der Bevölkerung. Gefordert wird in einer Petition die Neufassung von Baugesetzen, die bisher einseitig die Investoren begünstigten und die Nachbarrechte reduzierten, den Wohnraum unerschwinglich teuer und das Erhalten von alten Gebäuden fast unmöglich machten. Als Beispiel wurde das in Bau befindliche Projekt Pfauengarten mit Quadratmeterpreisen bis zu 9.600 Euro genannt.

"Klare Vorgaben unabdingbar"

Einhalt geboten werden müsse auch der Nachverdichtung durch das Verbauen von Innenhöfen sowie den überdimensionierten Ausbau von Dachgeschoßen. Parkanlagen, Gärten und Vorgärten seien ebenso erhaltenswert und prägend für das Stadtbild. "In Anbetracht des großen Investitionsdruckes, der auf Graz als - erfreulicherweise - wachsende Stadt lastet, sind klare Vorgaben vonseiten der Stadtplanung unabdingbar", fasste Heinz Rosmann, ehemaliger Stadtplaner, zusammen. Damit seien konkret die Erstellung eines räumlichen Leitbildes, verbindliche Bebauungspläne sowie die Beachtung von Bebauungsdichten gemeint. Darüber hinaus wünscht man sich eine Neufassung des Grazer Altstadterhaltungsgesetzes; die Altstadtsachverständigenkommission müsse fachlich wieder stärker auf die Altstadterhaltung verpflichtet werden.

Unter den Proponentinnen und Proponenten finden sich renommierte Architekten der Grazer Schule wie Eilfried Huth, Wolfgang Kapfhammer und Heiner Hierzegger, Künstler, Politiker, Wissenschafter und Personen des öffentlichen Lebens, darunter der frühere evangelische Superintendent Christian Gerhold und die ehemalige SPÖ-Frauenministerin Helga Konrad. Dass es sich Großteils um emeritierte Persönlichkeiten handelt, zeige "wie groß der Druck auf aktive Fachleute ist", so Pollet-Kammerlander. (APA, 12.7.2013)

  • Man wolle keineswegs die Altstadt als Museum, aber eine Stadtentwicklung, die sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert, so die Initiative.
 
    foto: apa/hans klaus techt

    Man wolle keineswegs die Altstadt als Museum, aber eine Stadtentwicklung, die sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert, so die Initiative.

     

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