Gelebter Geradeaus-Jazz

12. Juli 2013, 11:00
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The Cookers und Lou Donaldson beim Jazzfest-Finale

Wien - Zum Jazzfest-Ausklang wähnte man sich im Porgy & Bess mitunter in denkbar unterschiedlichen Musikwelten. Was insofern der Rede wert ist, als sich die Darbietungen auf eng verwandte Territorien der Jazzgeschichte bezogen. Da waren zum einen The Cookers, das 2007 von Trompeter David Weiss zusammengestellte Septett, das Veteranen der 1930er- und 1940er-Jahrgänge im Geiste des Hardbop und des modalen Jazz vereint - mit dem Freddie-Hubbard-Album The Night of The Cookers aus 1965 als Leitbild.

Auch wenn Billy Harper, Eddie Henderson, Donald Harrison, George Cables und Cecil McBee teilweise mit substanzvollen solistischen Beiträgen aufwarteten, so wurde im Zuge dieses Abends klar, dass selbst eine Allstar-Besetzung mitunter nur den Eindruck routinierter Mattheit hinterlässt, wenn man sich konzeptionell mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner begnügt: In der stereotypen Thema-Soli-Thema-Abfolge gerierte sich die Performance als arrangierte Blowing-Session, die - ohne interaktive Band-Chemie, ohne den unbedingten Willen zu vermitteln, dass hier alle am selben Strang zogen - weniger als die Summer ihrer Teile ergab.

Wie anders kam da die Musik von Altsaxofonist Lou Donaldson von der Bühne, obwohl sie sich nur maginal von jener der Cookers unterschied: Gilt der 86-Jährige doch als Urgestein des Hardbop und Soul-Jazz der 1950er- und 60er-Jahre, und sind ihm aktuellere Strömungen - gelinde gesagt - suspekt. "We play straight-ahead jazz! No fusion! No confusion!", so vernahm man Donaldson mit krächzender Stimme sagen, und es war jenes augenzwinkernde Beharren auf der historischen Position, das seinem Konzert eine gewisse charmante Note verlieh.

Unterstützt von den dienstbaren Geistern Akiko Tsuruga (Hammond-Orgel), Randy Johnston (Gitarre) und Fuku Tainaka (Schlagzeug) stand Donaldson als einer der letzten Überlebenden einer versunkenen Ära auf der Bühne und strahlte doch gewitzte Lebendigkeit aus.

Auf altbekannte Leib- und Magen-Themen wie Charlie Parkers Wee sowie Alligator Boogaloo und Whiskey Drinking Woman zurückgreifend, konvenierte Donaldsons Spiel durch erstaunlich flüssige Linien und klangvollen, bluesgesättigten Ton. Seiner Performance eignete nicht nur Substanz, sondern auch Authentizität. The Cookers interpretieren Musik. Lou Donaldson lebt sie. (Andreas Felber, DER STANDARD, 12.7.2013)

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