355 Dayli-Filialen schließen, 1.200 Jobs weg

12. Juli 2013, 14:16
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Der neue Inhaber Martin Zieger hat noch bis maximal Ende Juli Zeit, um 40 Millionen für die Weiterführung von 522 Filialen aufzutreiben

Pucking - Bei der insolventen Drogeriekette Dayli geht es zumindest vorerst weiter, allerdings werden 355 Filialen und das Lager in Gröbming geschlossen. 1.261 der 3.468 Beschäftigten (davon bereits 414 im Kündigungsstadium) verlieren ihren Job. "Ohne diese Teilbereichsschließungen wäre ein Finanzaufwand von 25 Millionen bis 40 Millionen Euro bis Ende September nötig gewesen", rechnet die Creditreform vor.

Die restlichen 522 Filialen werden weitergeführt, ebenso das Lager in Pöchlarn und die Zentrale. Durch die seit gestern laufende Minus-40-Prozent"-Aktion sind laut Creditreform "die Umsätze enorm gestiegen und es haben sich Investoren gemeldet". Welche Filialen geschlossen werden, sei noch nicht bekannt, hieß es auf derStandard.at-Anfrage von der betreuenden PR-Agentur.

40 Millionen Euro gesucht

Eigentümer Martin Zieger gab sich am Freitag in einer Aussendung zuversichtlich: "Die Entscheidung des Masseverwalters zeigt, dass das von uns vorgelegte Konzept eine Chance hat, potenzielle Investoren zu überzeugen sowie Arbeitsplätze und die Nahversorgung in Österreich zu sichern. Wir arbeiten intensiv daran das Unternehmen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Sobald wir konkrete Ergebnisse haben, werden wir umgehend darüber informieren."

Sollte bis spätestens Ende Juli kein Investor gefunden werden, geht die Insolvenz in eine geordnete Liquidation über, berichteten die Kreditschutzverbände KSV1870 und Creditrefom in Aussendungen. Aus dem Sanierungsverfahren würde dann ein Konkurs. Zieger braucht für sein Konzept noch 40 Millionen Euro.

KSV-Chef Hans-Georg Kantner ist mit der jetzt gefundenen Lösung sehr zufrieden. Masseverwalter Rudolf Mitterlehner habe "total verantwortungsvoll" und "sehr professionell" reagiert. "Die Fortführung ist der Schlüssel", so Kantner. Aber er gibt auch zu bedenken: "Die Zeit drängt."

Generell lasse sich sagen, dass ein Handelsbetrieb leichter fortzuführen sei als viele andere Betriebe, da die Waren sehr schnell umgeschlagen werden und daher viel Liquidität im Unternehmen sei. Wie das Tagesgeschäft weiter geführt wird, entscheidet der Masseverwalter auf Vorschlag des Unternehmens. Inhaber Martin Zieger müsse nun in den nächsten Wochen zumindest einen niedrigen zweistelligen Betrag auftreiben, so Kantner.

Anmeldefrist für Gläubiger bis September

Parallel zur Insolvenzabwicklung läuft die Anmeldefrist für alle Gläubiger noch bis 13. September. Neben den Beschäftigten sind rund 950 Vermieter und 1.340 weitere Gläubiger von der Insolvenz betroffen. Der Buchwert der Gesamtpassiva inklusive Rückstellungen beträgt laut Status per 30. Juni 56,37 Millionen Euro. Ende Juni hatte Dayli noch Vorräte im Wert von 15,3 Millionen Euro und knapp acht Millionen Euro in der Kassa.

Die knapp 3.500 Dayli-Mitarbeiter in Österreich warten noch auf ihre Juni-Gehälter und ihr Urlaubsgeld. Ebenso sind die Mieten für Juli ausständig. Der Vizechef der Gewerkschaft der Privatangestellten, Karl Proyer, versprach den Gekündigten, dass man so rasch wie möglich die Ansprüche erfassen und an den Insolvenzentgeltfonds melden werde, damit die Betroffenen schnell zu ihren Geld und ihren arbeitsrechtlichen Ansprüchen kommen. Des weiteren gibt es für die nunmehr arbeitslosen Handelsbeschäftigten Arbeitsstiftungen. Hier erwartet sich Proyer die entsprechende Unterstützung von den Ländern. GPA-Chef Wolfgang Katzian erinnerte die Gekündigten daran, dass sie nach einer unverzüglichen Meldung beim AMS einen Vorschuss auf das Arbeitslosengeld beantragen können.

Seit Mai ist die Drogeriemarktkette nach dem Ausstieg des Hälfteeigentümers Novomatic wieder auf Investorensuche. Die vom Glücksspielkonzern eingebrachten 25 Millionen Euro hätten die Verluste von Dayli in den ersten neun Monaten nach Übernahme der Schlecker-Österreich-Filialen durch Rudolf Haberleitner und seine TAP 09 "vollends verschlungen", so der KSV.  (APA/red, 12.7.2013)

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    40 Millionen muss der neue Eigentümer nun auftreiben, 10 Millionen mehr als zunächst angenommen.

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