In Irland sind erstmals Abtreibungen erlaubt

12. Juli 2013, 12:28
298 Postings

Schwangerschaftsabbruch wird zugelassen, wenn Leben der Mutter in Gefahr ist - Gesetz nach langen Kontroversen beschlossen

Dublin - In Irland sind erstmals Abtreibungen unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Der Oireachtas, das Parlament des katholischen Landes, stimmte in der Nacht auf Freitag mit 127 zu 31 Stimmen für ein Gesetz, das einen Schwangerschaftsabbruch zulässt, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist.

Fünf Abgeordnete der regierenden konservativen Partei Fine Gael von Ministerpräsident Enda Kenny stimmten gegen das Vorhaben und wurden aus der Fraktion ausgeschlossen. Das nach monatelangen Kontroversen verabschiedete Gesetz muss noch das irische Oberhaus passieren, bevor es in Kraft treten kann.

"Absolutes Minimum eines Gesetzes"

"Es ist nur das absolute Minimum eines Gesetzes", sagte die 21-jährige Eleanor White, eine der wenigen Befürworterinnen, die sich vor dem Parlament versammelten. "Gleichzeitig fühlt es sich aber auch wie das Ende einer Ära an."

Zahlenmäßig stärker waren die Abtreibungsgegner vertreten. Sie sind insbesondere empört darüber, dass bereits ein Suizidrisiko als Gefährdung des Lebens der Mutter gilt. "Das ist ein schreckliches Verbrechen am Herz und der Seele unseres Landes", sagte die 56-jährige Rita Daly. "Es ist die absichtliche Tötung unserer Kinder, unseres eigenen Fleischs und Bluts."

Die in Irland mächtige katholische Kirche hatte sich massiv gegen das Gesetz gewandt. Einige ihrer Führer forderten die Exkommunizierung der Abgeordneten, die für das Gesetz stimmten.

Abtreibung nur bei Lebensgefahr

Zwar dürfen Ärzte seit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 1992 eine Abtreibung vornehmen, wenn das Leben der Mutter unmittelbar in Gefahr ist. Doch bisher wurden die Gesetze nicht an die Rechtsprechung angepasst, was Irland im Jahr 2010 auch ein missbilligendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte einbrachte.

In Irland war es zu Massenprotesten gekommen, weil eine aus Indien stammende Zahnärztin Ende Oktober in einer Klinik an Blutvergiftung gestorben war, nachdem die Ärzte ihr zuvor eine Abtreibung verweigert hatten. Die 31-Jährige erlag nach einer Fehlgeburt der Blutvergiftung. Daraufhin wurden Forderungen nach einer Änderung der Abtreibungsgesetze laut. (APA/Reuters, 12.7.2013)

  • Anti-Abtreibungs-Demonstant vor dem irischen Parlament. Fünf Abgeordnete der regierenden konservativen Partei Fine Gael wurden aus der Fraktion ausgeschlossen, weil sie gegen das Gesetz stimmten
 
 
    foto: reuters/cathal mcnaughton

    Anti-Abtreibungs-Demonstant vor dem irischen Parlament. Fünf Abgeordnete der regierenden konservativen Partei Fine Gael wurden aus der Fraktion ausgeschlossen, weil sie gegen das Gesetz stimmten

     

     

Share if you care.