"Es kann nicht jeder Guardiola spielen"

20. Juli 2013, 18:29
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Peter Pacult wehrt sich dagegen, Trainer in Schubladen zu stecken. Bei Dynamo Dresden kam er bereits vom Regen in die Traufe, zum Saisonauftakt der zweiten deutschen Liga geht es gegen Peter Stöger und den FC Köln. Rapid und Red Bull beschäftigen Pacult nicht mehr

Mit dem Begriff des Trainertypus kann sich Peter Pacult nicht so recht anfreunden. Tendenzen im Fußball-Coaching bleiben dem Trainer des deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden nicht verborgen. "Jeder Trainer hat seine eigene Art, ein Team zu führen. Es kann nicht jeder Guardiola, Heynckes oder Klopp spielen. Und es kann auch nicht jeder Peter Pacult spielen. Unter hunderttausend Trainern gibt es nicht einen, der alles richtig macht, und der Rest macht alles falsch."

Peter Pacult ist Peter Pacult und liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. In Dresden wurde er als Feuerwehrmann installiert und hat den Abstieg aus der zweiten Liga verhindert. 2006 war er schon einmal hier engagiert und hat sich für 50.000 Euro aus der Regionalliga für Rapid freigekauft, auch private Probleme haben eine Rolle gespielt. Pacults Frau Manuela zog sich damals nach 23 Jahren vom Kantinenbetrieb des SC Columbia in Floridsdorf zurück. Sechs Jahre später kehrte er nach Dresden zurück.

Liebe

Ein Kuriosum, dass ein Verein einen Trainer holt, mit dem er schon einmal abgestiegen ist? "Es haben nicht alle Juhu geschrien, als ich zurückgekommen bin. Aber man kann es auch positiv sehen: Wir sind damals nach einer sensationellen Rückrunde mit 41 Punkten abgestiegen. Walter Schachner, der mit 1860 München aufsteigen musste, ist mit zwei Punkten Vorsprung auf Dresden gerade noch in der Liga geblieben. Der Mensch, der von allen geliebt wird, muss erst geboren werden."

Jetzt waltet Peter Pacult also wieder in Dresden, seit damals hat sich einiges getan. Dynamo spielt mittlerweile im Glücksgas-Stadion, einer modernen Fußballarena, auch der Vereinsstab ist gewachsen. Einzig der Naturrasen im Großen Garten, der Erholungsoase der Dresdner, ist wehleidig und zum Trainieren nicht immer bespielbar. Dynamo hat den Kader überholt, zehn neue Spieler verpflichtet, darunter den Ex-Mattersburger Adnan Mravac.

Sabotage-Akt

Reibungslos verlief die Zeit nach dem Klassenerhalt nicht. Die Worte, die Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller zum Trainer einfielen, wird Peter Pacult sich bestimmt nicht gerahmt übers Bett hängen: "Mit dem Klassenerhalt hat sich der Vertrag von Peter Pacult verlängert, mehr gibt es dazu nicht zu sagen", so Müller. Während des Rückspiels der Relegation gegen Osnabrück verlautbarte der deutsche Fernsehsender MDR, dass Pacult nach dem Abpfiff den Hut nehmen werde. "Das war sehr enttäuschend für mich. Der MDR hat sich letzte Woche aber offiziell entschuldigt, ein Reporter ist einer Falsch-Meldung aus dem VIP-Raum aufgelegen und hat das hinausposaunt. Ich habe aber viel positives Feedback bekommen, in einer 'Bild'-Umfrage waren 74 Prozent für meinen Verbleib", sagt Pacult.

Die zweite deutsche Liga boomt und bietet für Trainer aus Österreich mittlerweile mehr Perspektiven als die heimische Bundesliga. Franco Foda werkt in Kaiserslautern, Peter Stöger seit neuestem in Köln. "Für Franco Foda war das Ausland ein großes Ziel und Kaiserslautern ein logischer Schritt, nachdem er dort schon als Spieler war. Einen anderen Zweitliga-Klub hätte sich Stöger vielleicht nicht angetan, aber der FC Köln hat Riesenambitionen, spielt um den Aufstieg." Vergleiche zwischen der zweiten Liga und der österreichischen Bundesliga sind laut Pacult sinnlos. "Da müsste ich mich fragen, ob der Apfel oder die Birne besser schmeckt."

Reibebaum Rasenballsport

Das Image des autoritären Trainers ist der 53-Jährige auch in Deutschland nicht losgeworden, die vergangenen Jahre waren ein durchaus turbulenter Flug durch den Fußball. Vor dem Abstiegskampf mit Dresden gab es die aus seiner Sicht unverständliche Entlassung bei Rapid und das Engagement bei Rasenballsport Leipzig. Die deutsche Red-Bull-Filiale hat heuer ohne Pacult das geschafft, was letztes Jahr mit ihm nicht gelang: den Aufstieg von der vierten in die dritte Liga. Pacult war alsbald seinen Job los. "Die vierte Liga war damals stärker als zuletzt, mit Kiel und Halle holten außer uns noch zwei Teams über 70 Punkte. Mein Abgang hatte nichts mit dem Nichtaufstieg zu tun, sondern mit dem Engagement eines neuen Sportdirektors bei Red Bull. Zu Saisonende hatte mir der Klub noch das Vertrauen ausgesprochen. Außerdem war ich 14 Tage vor meiner Entlassung nach dem Aus für Ricardo Moniz als Salzburg-Trainer im Gespräch."

Pacult hat in den letzten Jahren öfter geschwiegen, Nachwehen von der Causa Rapid hat er keine. Der Verein hat sich mit seinem Ex-Trainer bekanntlich außergerichtlich geeinigt, weil "die Rapid gemerkt hat, dass es mit einer fristlosen Entlassung vor dem Arbeitsgericht nicht so gut aussieht für sie". "Ich habe Rapid nicht nur viel Geld gebracht mit Erfolgen und Spielerverkäufen, sondern auch noch viel Geld geschenkt, weil ich auf Ansprüche verzichtet habe. Die letzten zwei Jahre bei Rapid haben gezeigt, dass mein Weg nicht so falsch war."

Am 20. Juli geht für Dynamo die neue Saison los. Wie es der Kalender so will, empfangen Pacult und Dresden gleich am ersten Spieltag Peter Stöger und den 1. FC Köln. Das Ziel der Sachsen ist klar: nichts mit dem Abstieg zu tun haben. (Florian Vetter, derStandard.at, 17.7.2013)

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    Peter Pacult sagt: "Der Mensch, der von allen geliebt wird, muss erst geboren werden."

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