Neuwahlen in Luxemburg: Juncker forever

Kommentar11. Juli 2013, 19:06
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Jean-Claude Juncker ist ein Machtmensch der extremen Sorte, im Positiven wie im Negativen

Man kann Jean-Claude Juncker viel vorhalten: Er ist stur, besserwisserisch bis zur Herablassung; ein Macho im Umgang mit Politikerinnen, ein Schlitzohr, ein Suchttyp, zynisch. Auf der positiven Seite stehen sein Witz, seine Verdienste um ein geeintes (und soziales) Europa; seine politische Brillanz und Fantasie, auch in verzwicktesten Situationen Kompromisse auszudealen.

Eines aber zeichnet Luxemburgs Premier, der zwischen 1989 und 2008 zwanzig (!) Jahre lang auch Finanzminister war und den Euroraum mitprägte wie niemand sonst, besonders aus: Er ist ein Machtmensch der extremen Sorte, im Positiven wie im Negativen, dabei seinen Parteifreunden Helmut Kohl und Wolfgang Schüssel nicht unähnlich.

Beim Versuch von Opposition und Sozialisten, ihn zu stürzen, konnte man all das als Gesamtkunstwerk beobachten. Juncker zog alle Register. Ein Urteil darüber fällt zwiespältig aus. Es ist einerseits schier unglaublich, mit welcher Ignoranz er dem Umstand begegnet, dass in seinem Land Bürger bespitzelt wurden. Andererseits gibt es offenbar keine Sachbeweise, die seine persönliche Verstrickung gerichtsfähig belegen. Das gab ihm die Chance, die Gegner auszutricksen und als strategische Stümper vorzuführen.

Ein Rücktritt sieht anders aus. Er bleibt Premier, will es allen noch einmal so richtig zeigen. Juncker forever? 2014 vielleicht an der EU-Spitze? Ob das klappt, werden wir in drei Monaten wissen. Am Ende entscheiden die Wähler. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 12.7.2013)

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