Neue Lehrer, Pilotversuche und eine "Westachse"

11. Juli 2013, 18:40
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Grazer Uni setzt auf Begabungsforschung - Schmied sieht Neue Mittelschule nur als "Zwischenschritt "

Wien/Graz/Salzburg - Zumindest wenn es um die Ausbildung der Lehrer in Österreich geht, soll alles besser werden. An der Karl-Franzens-Uni Graz präsentierten am Donnerstag Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, Rektorin Christa Neuper und Vizerektor Martin Polaschek ihr Programm der neuen Pädagogenausbildung. Diese soll sich vom Kindergarten über die Schule bis zur universitären Bildung ziehen und ist österreichweit ein Pionierprojekt.

Es soll nicht nur Kooperationen und gemeinsame Auswahlverfahren an sechs Unis und Pädagogischen Hochschulen geben, die Didaktik soll als Fach aufgewertet werden: Im Oktober startet in Graz das erste Doktoratstudium für Fachdidaktik, ein Habilitationsforum für Fachdidaktik und Unterrichtsforschung wird eröffnet und neue Professuren - auch für Begabungsforschung geschaffen. Die Begabungsforschung ist laut Neuper "im deutschsprachigen Raum eine einzigartige Initiative". Wie es mit den Lehrern nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung konkret weitergeht, dazu wollte sich Töchterle nicht äußern: Bezüglich der Verhandlungen um ein neues Lehrerdienstrecht tue er "sich sehr schwer mit einer Einschätzung".

Auch Salzburg schert aus

Wenn sich bildungspolitisch in Österreich etwas bewegt, dann bekanntlich eben nur in sehr kleinen Schritten. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) plädiert - in einer Art "Westachse" wie seine Amtskollegen aus Tirol und Vorarlberg - für eine gemeinsame Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen. Spezialformen des Gymnasiums, wie Fremdsprachenschulen, will er beibehalten. Anders als die Bundes-ÖVP stimmte Haslauer im schwarz-grünen Regierungsübereinkommen Salzburgs dem von den Grünen geforderten Modellschulversuch zu. Ob dieser tatsächlich, wie angestrebt, schon im Schuljahr 2014/15 kommt, ist aber sogar für die Grünen fraglich. "Das Vorhaben ist sehr ambitioniert", sagt der Grünen-Landtagsklubobmann Cyriak Schwaighofer dem Standard. Man müsse nämlich eine Region finden, in der das Gymnasium freiwillig beim Schulversuch mitmache. Denn nur in einer Region ohne Ausweichmöglichkeit in ein Gymnasium könne der Schulversuch funktionieren.

Auf die Bundesländer-"Westachse" setzt Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) auch bei der Neuen Mittelschule (NMS), die sie "als Zwischenschritt am Weg zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen" betrachtet. Bis 2015/16 werden österreichweit alle Hauptschulen auf NMS umgestellt sein (ab Herbst gibt es 946 NMS-Standorte), mit 2018/19 gibt es dann nur noch NMS-Klassen. Insgesamt zwei Drittel aller Schüler dieses Alters werden dann eine NMS besuchen - der Rest eine AHS. Jedoch, fügte sie an: "Wenn wir bis dahin die gemeinsame Schule haben, sind es hundert Prozent." Außer Streit steht für die Ministerin, dass die AHS-Oberstufen erhalten bleiben, denn es brauche hier "weiterhin einen allgemeinbildenden Zweig".

Eine vom Ministerium in Auftrag gegebene Umfrage stellt der NMS jedenfalls ein gutes Zeugnis aus. Das Meinungsforschungsinstitut Ifes hat 500 Eltern, deren Kinder diesen Schultyp besuchen, befragt: Sieben von zehn Eltern haben einen guten Eindruck von der Unterrichtsarbeit und 88 Prozent sich sicher, dass ihre Kinder gerne in die NMS gehen. Kritik gibt es an der Tagesbetreuung: Nur sechs von zehn Eltern sind von deren Güte überzeugt. (cms, neu, pm, DER STANDARD, 12.7.2013)

  • Gleicher Schulweg, anderer Schultyp: Bis 2015/16 werden alle Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen.
    foto: dpa/güttler

    Gleicher Schulweg, anderer Schultyp: Bis 2015/16 werden alle Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen.

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