Real Time Bidding: In Österreich überwiegt noch die Angst

11. Juli 2013, 21:07
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Am Werbeplanung.at-Summit trafen RTB-Enthusiasten auf österreichische Skeptiker

Das Thema "Real Time Bidding" (RTB) füllt in Österreich noch keine Säle. Trotzdem war bereits vor der Diskussion zum polarisierenden Marketing-Trend ein Knistern in der Luft zu spüren.

Der Einstieg gestaltete sich vorsichtig und kollegial. Natürlich sei man an einer Automatisierung von digitalem Marketing und den damit verbundenen Arbeitsvorgängen interessiert, machte Matthias Stöcher von derStandard.at den Anfang, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen würde man aber nicht in den RTB-Markt einsteigen. Noch gebe es zu viele Bedenken in Bezug auf Qualitätsstandards und Transparenz, man denke nur an kriminelle Toolbar-Firmen.

Problemeingeständnis von Rubicon

Durchaus überraschend stimmte Jay Stevens vom RTB-Anbieter Rubicon dieser Wortmeldung zu. Es sei seinem Unternehmen bewusst, dass es noch viele Probleme auszuräumen gelte, gerade in Hinsicht auf betrügerische Malware und Bots. Deshalb habe Rubicon zu Jahresbeginn Schritte gesetzt, um für saubere Daten zu sorgen. Die abwartende Haltung würde er verstehen, jedoch sei die Entwicklung global nicht mehr aufzuhalten.

Herbert Pratter, selbst aktiv im RTB-Geschäft mit der Mediaagentur Aegis, pochte darauf, dass Real Time Bidding bereits in Österreich angekommen sei. Seit Anfang des Jahres nutze die Agentur RTB als Zusatzangebot für österreichische Kunden und das Geschäft wachse. Seiner Meinung nach konzentriere sich die Diskussion hierzulande aber noch zu sehr auf öffentliche Marktplätze und die Angst vor neuen Systemen. Stattdessen würde es sich lohnen einen Blick auf die Private Marketplaces zu werfen. Neben einer Beschleunigung der Transaktionen zwischen Werbetreibenden und Publishern würde daraus auch der Bedarf nach neuen Jobprofilen entstehen, wie beispielsweise nach Analysten und Inventarmanagern.

Dubiose Web-Adressen

Nachdem die ersten Grenzen abgesteckt waren kamen aktuelle Erfahrungen zur Sprache. So berichtete im Publikum Roland Divos von der Mediaagentur OMD, dass er letztens die Top 100 URLs einer RTB-Plattform händisch überprüft hätte, um zu sehen, wo die Werbung seiner Kunden laufen sollte. Überraschenderweise waren ein Großteil davon Blank Pages oder Index Seiten.

Die Fachleute am Podium konnten sich diese Fehlleistung nicht erklären und betonten noch einmal, dass RTB eine junge Entwicklung sei, bei der es noch Entwicklungspotential gebe. Fakt sei aber, dass die großen amerikanischen Ökosysteme wie Facebook oder Google bereits in Europa angekommen seien, brachte Stevenson seine Einschätzung auf den Punkt. Diese würden nur noch über automatisierte Plattformen handeln, was bereits spürbare Auswirkungen am Performance-Marketing-Markt zeige. Auch wenn es berechtigte Vorbehalte gegen RTB gebe, werde über kurz oder lang kein Weg daran vorbeiführen.

Mobile Hoffnung

Eine bis dahin nicht angesprochene Hoffnung gab zuletzt Andreas Martin von Pilot@media.at preis. Er selbst sei ein großer Fan von Mobile und wie man wisse, erhoffe er sich für diesen Markt, der bekanntlich noch nicht so gut angelaufen ist, gute Dienste von Real Time Bidding. (tara, derStandard.at, 11.7.2013)

Zum Thema

 

  • Jay Stevens (Rubicon Project), Herbert Pratter (Aegis Media Austria), Andreas Martin (Pilot@media.at), Miki Devic (httpool Group) und Matthias Stöcher (derStandard.at)bei der Diskussion am Werbeplanung.at Summit 13.
    foto: derstandard.at

    Jay Stevens (Rubicon Project), Herbert Pratter (Aegis Media Austria), Andreas Martin (Pilot@media.at), Miki Devic (httpool Group) und Matthias Stöcher (derStandard.at)bei der Diskussion am Werbeplanung.at Summit 13.

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