Der Gestrauchelte will wieder auf die Politbühne

Kopf des Tages11. Juli 2013, 19:31
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New Yorks Ex-Gouverneur Eliot Spitzer kandidiert wieder

Es war klar, dass die Pointenkönige der Late-Night-Shows das Comeback Eliot Spitzers mit feinstem Spott feiern würden. "Rechnungskontrolleur?", fragt Dave Letterman, einstudiertes Staunen in seiner Stimme. "Dieser Bursche konnte doch nicht mal sich selbst kontrollieren", protestiert der Veteran der TV-Satire, während Conan O' Brien beisteuert: "Spitzer - Stündlich Jobs schaffen."

Das mit den Stundenjobs geht auf den Fall eines Politikers zurück, der einst den mit eisernem Besen kehrenden Saubermann gab und umso tiefer stürzte, als herauskam, dass er Edelprostituierten für sechzig Minuten Liebesdienste 550 Dollar zahlte. Spitzer, verheirateter Vater dreier Töchter, war regelmäßiger Kunde des Callgirl-Rings Emperor's Club VIP, wo man ihn diskret als Klienten Nummer neun führte.

Als das Finanzamt Verdacht schöpfte und das FBI den Club unter die Lupe nahm, wurde alles publik, in allen Einzelheiten: Eine gewisse Ashley Dupré, im Februar 2008 von Spitzer aufs Zimmer eines Washingtoner Nobelhotels bestellt, wusste unter anderem zu berichten, dass Klient Nummer neun beim Sex seine schwarzen Socken anbehielt. Da kannte das scheinpuritanische Amerika keine Gnade, da war es geschehen um die Karriere eines Harvard-Absolventen, der sich einst höchster Beliebtheitswerte erfreut hatte.

Spitzers Aufstieg hatte damit begonnen, dass er dem Mafia-Clan der Gambinos die Kontrolle über das Bekleidungsgewerbe Manhattans entwand. Später diente der Sohn eines Bauunternehmers als Staatsanwalt, bejubelt und gefürchtet als "Sheriff der Wall Street", der manchen Bankern vielstellige Schadensersatzzahlungen abrang, wenn sie Anleger falsch beraten hatten. 2007 wurde er Gouverneur des Bundesstaates New York, manche handelten ihn schon als künftigen Kandidaten fürs Weiße Haus - doch dann folgte die komplette Blamage. Und nun die Auferstehung?

Karrieristen mit blütenreiner Weste sind Amerikanern ohnehin ziemlich suspekt. Eher schätzt man die Gestrauchelten, die sich wieder aufrappeln, die Höhen wie Tiefen des Lebens kennen: Der bekehrte Alkoholiker George W. Bush wäre sonst nie Präsident geworden.

Spitzer weiß natürlich, wie man auf dieser Klaviatur spielt. "Ich hatte fünf Jahre, um nachzudenken, mich zu entschuldigen, und nun bin ich so weit, dass ich um Vergebung bitte", sagt er. "Du erleidest den Schmerz, und du änderst dich." (Frank Hermann, DER STANDARD, 12.7.2013)

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    Eliot Spitzer

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