EU will weniger Nahrungsmittel im Tank

11. Juli 2013, 18:13
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Umweltminister Nikolaus Berlakovich und die Bauern sind gegen eine Begrenzung des Agrotreibstoffs

Brüssel/Wien - Nach Jahren des politischen Stillstands bahnt sich eine Entscheidung an: Am Donnerstag hat der Umweltausschuss des Europaparlaments beschlossen, den Anteil von Biosprit aus Nahrungsmitteln zu begrenzen. Gesetz ist das damit noch nicht. Endgültig wird der Europäische Rat wohl erst im kommenden Jahr über eine neue Richtlinie für grüne Treibstoffe entscheiden.

Bis 2020, so die Vorgabe aus Brüssel bisher, sollen zehn Prozent des Spritbedarfs in der EU durch erneuerbare Quellen gedeckt werden. Die möglichen Treibstoffe könnten von Solarstrom über Wasserstoff bis Biosprit reichen.

Gute Idee wandelte sich zu Ärgernis

Was vor Jahren als vermeintlich gute Idee begann, hat sich inzwischen aber zu einem von verschiedensten Seiten kritisierten Ärgernis entwickelt. Verantwortlich dafür: der Boom bei Biosprit und hier vor allem bei grünem Diesel. "Wir können die Rodung von Regenwäldern für die Herstellung von Biokraftstoffen nicht länger verantworten", sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses, der SPD-Politiker Jo Leinen. Das EU-Klimaschutzziel dürfe nicht dazu führen, dass Entwicklungsländer immer mehr Pflanzen für die Biospritproduktion anbauen, anstatt sie als Nahrungsmittel zu nutzen.

Der Deutsche Bauernverband kritisierte das Votum und sprach von einem "faktischen Rückwärtsgang für Biokraftstoffe". Auch Österreichs Bauern und Umweltminister Nikolaus Berlakovich sind gegen eine 5,5-Prozent-Grenze. Berlakovich wollte im vorigen Herbst eine zehnprozentige Beimischung bei Benzin einführen, musste nach Kritik von SPÖ, Oppositionsparteien sowie Menschenrechtsorganisationen und Umweltschützern aber davon Abstand nehmen. (APA/stro, DER STANDARD, 12.7.2013)

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    Der Anteil von Raps und anderen Nahrungs- mitteln im Sprit soll begrenzt werden.

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