Mobile Hilfsdienste: Frauen arbeiten im Prekariat

11. Juli 2013, 18:06
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Nur 9 Euro 50 bekommen die Helferinnen pro Stunde, davon müssen sie auch noch Sozialversicherung und Steuern bezahlen

Bregenz – 584.621 Stunden waren die Helferinnen der mobilen Hilfsdienste im Vorjahr in ganz Vorarlberg im Einsatz. Sie betreuen alte und behinderte Menschen, helfen im Haushalt, unterstützen beim Einkauf, machen Botengänge. Die sogenannten Mohi-Frauen sind die wesentlichen Säulen der Vorarlberger Pflegepolitik, die "ambulant vor stationär" als Leitgedanken hat.

Nun rumort es in den 51 Mohi-Gruppen. Grund ist die Bezahlung. Ganze 9 Euro 50 bekommen die Helferinnen pro Stunde, davon müssen sie auch noch Sozialversicherung und Steuern bezahlen. Denn die Betreuungshelferinnen (Männer sind in diesem Beruf die Ausnahme) sind nicht angestellt. Wer vom Betreuungsjob leben muss, eilt von einem Seniorenhaushalt zum anderen, kennt keine 40-Stunden-Woche, keinen Urlaub.

Seit Jahren würden die geringfügigen und prekären Arbeitsverhältnisse kritisiert, sagt SP-Abgeordnete Gabi Sprickler-Falschlunger, die Landesregierung sei aber untätig. Ist sie nicht, kontert Sozial- und Frauenlandesrätin Greti Schmid (VP). Man arbeite an einem Modell zur finanziellen Besserstellung. Ab 2014 würden jene mobilen Helferinnen und Helfer, die in Tagesbetreuungseinrichtungen arbeiten, angestellt werden. Mit zusätzlichen Landesmitteln von 550.000 Euro könnte die Arge Mohi ihre Stundensätze erhöhen.

SP fordert mehr Geld

Für die Helferinnen bedeutet das maximal einen Euro mehr pro Stunde für ihre anstrengende Arbeit. Zu wenig, sagt Sprickler-Falschlunger. Die SP wird einen Landtagsantrag auf zusätzliche Finanzierung einbringen. Gabi Sprick­ler-Falschlunger: "Es ist erstaunlich, dass Landesrätin Schmid, die auch für das Wohl der Frauen im Land zuständig ist und die Frauenarmut besonders gut kennt, nicht offensiv gegen diese Armut erzeugenden Arbeitsverhältnisse Politik macht."

Bis 2030 steige der Personalbedarf bei mobilen Hilfsdiensten und Krankenpflegevereinen um 80 Prozent, zitiert Sprickler-Falschlunger Zahlen aus einer Studie des Landes: "Mit dieser Politik wird es aber nicht gelingen, den Personalbedarf zu decken." (jub/DER STANDARD, 12.7.2013)

 

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