Konferenz sucht Visionen für Europa

11. Juli 2013, 21:38
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In Rom fand eine hochkarätig besetzte Konferenz statt, eines ist den Teilnehmern klar: "Es gibt keine raschen Lösungen"

Der Veranstaltungsort war bewusst gewählt: jener Saal auf dem Kapitol, in dem 1957 der Vertrag von Rom zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft unterzeichnet worden war. Am Donnerstag fand dort das East Forum statt, eine hochkarätig besetzte Konferenz, bei der über Zukunftsvisionen für Europa jenseits der omnipräsenten Krise diskutiert wurde.

Giuseppe Vita, Präsident des Veranstalters UniCredit, bemühte sich, den Gründungsgeist der sechs Unterzeichnerstaaten (Beneluxländer, Deutschland, Frankreich und Italien) zu beschwören: "Es gibt keine Alternative. Was noch immer fehlt, ist eine gemeinsame europäische Identität."

Dem widersprach in einer hitzigen Auseinandersetzung der frühere tschechische Präsident Václav Klaus: "Wir brauchen weniger Europa. Es besteht keine Notwendigkeit, die Nationalstaaten zu liquidieren." Mit Blick auf die Krise meinte er fast trotzig: "Die Realität ist auf meiner Seite."

Der frühere belgische Premier und nunmehrige Chef der Liberalen im EU-Parlament, Guy Verhofstadt, hielt in einem flammend vorgebrachten Plädoyer dagegen: "Die Probleme lassen sich nicht auf einer nationalen Ebene lösen. Das ist lächerlich." Er nannte als Beispiel Klimafragen und die Fiskalprobleme. Verhofstadt sprach sich explizit für Eurobonds aus und meinte, das würde Ländern wie Italien helfen, Schulden zu tilgen. Für mehr Europa warb auch UniCredit-Chef Federico Ghizzoni und begründete dies mit einem praktischen Beispiel: Banken in Europa hätten es derzeit mit 32 verschiedenen Regulatoren zu tun.

Die Krise in Italien drang immer wieder in den Wortmeldungen durch: Italiens Europaminister Enzo Moavero Milanesi gestand ein, dass sich Enttäuschung über Europas Krisenmanagement breitmache. "Es gibt aber keine raschen Lösungen." Dass Deutschland mit im Boot sein müsse und nicht länger der Zahlmeister Europas sein könne, darüber waren sich bei der Konferenz alle einig. Ebenso, dass Deutschland als Exportnation von der Krise profitiere.

Italien will eine Führungsrolle

Aber wie soll die Zukunft Europas aussehen? Der langjährige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi regte eine Plattform an, um Europa wieder Schwung zu verleihen: Deutschland, Frankreich und Italien sollten dabei eine Führungsrolle übernehmen. "Es herrscht Dringlichkeit", so Prodi.

Die meisten Redner sahen in einem Staatenverbund, nicht in einem gemeinsamen Bundesstaat, die Zukunft. Die italienische Außenministerin Emma Bonino forderte, vom Denken rascher zum Handeln zu kommen. "Wir können nicht zu den Chinesen oder Indern sagen: Wartet ein bisschen. Wir müssen schneller vorwärtskommen." (Alexandra Föderl-Schmid aus Rom, DER STANDARD, 12.7.2013)

  • Belgiens Ex-Premier Guy Verhofstadt: Eurobonds als taugliches Mittel, um Schulden zu tilgen.
    foto: epa / julien warnand

    Belgiens Ex-Premier Guy Verhofstadt: Eurobonds als taugliches Mittel, um Schulden zu tilgen.

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