Das Ringen um den freien IOC-Chefsessel

11. Juli 2013, 17:35
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IOC-Präsident Jacques Rogge traut seinen Kollegen zu, dass sie den besten der sechs Kandidaten mit seiner Nachfolge betreuen

Lausanne - Für den scheidenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge haben die außereuropäischen Bewerber bei der Wahl seines Nachfolgers keinen Vorteil. "Ich glaube nicht, dass dieser Faktor eine Rolle spielen wird", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in einer Telefonkonferenz mit Medienvertretern. "Meine Kollegen werden denjenigen wählen, der das IOC am besten führen kann. Sie werden nicht nach der Nationalität oder danach gehen, von welchem Kontinent er kommt."

Bei der Wahl des Rogge-Nachfolgers, die am 10. September in Buenos Aires steigt, gehen Richard Carrion (Puerto Rico), Ng Ser Miang (Singapur) und Wu Ching-kuo (Taiwan) gegen das europäische Trio Thomas Bach (Deutschland), Denis Oswald (Schweiz) und Sergej Bubka (Ukraine) ins Rennen. Und da könnte die Frage eine Rolle spielen, ob es nicht Zeit wäre, dass ein Nichteuropäer das IOC führt. In der 119-jährigen IOC-Geschichte gab es mit dem US-Amerikaner Avery Brundage (1952- 1972) erst einen nichteuropäischen Chef.

Dass der einflussreiche Scheich Ahmed al-Sabah aus Kuwait, Präsident der Weltvereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC), die Rolle des "Königsmachers" spielen könnte, glaubt Rogge nicht. "Ich habe keinen Grund, mich zu sorgen. Er leistet gute Arbeit als ANOC-Präsident, er hat die Asienspiele erfolgreich organisiert, ich habe eine gute Beziehung zu ihm", sagte Rogge. "Es gibt eine Einheit zwischen IOC, ANOC und den NOKs."

Zu Ankündigungen einiger Präsidentschaftskandidaten, das momentan geltende Alterslimit für IOC-Mitglieder von 70 Jahren wieder anzuheben (75 oder 80 Jahre), sagte Rogge (71): "Nach meinen Beobachtungen wird das Alterslimit nicht verändert werden, ungeachtet einiger Vorschläge."

Im Kampf um einen Platz im Olympia-Programm für die Spiele 2020 räumt der Belgier den Ringern gute Chancen ein. "Der Ringer-Weltverband hat eine gute Antwort auf die Herausforderungen gefunden", sagte Rogge, der mit der IOC-Exekutive im Februar zunächst das olympische Aus für den Traditionssport empfohlen hatte. Der Verband habe die Einbindung der Frauen und die Mitbestimmung der Athleten verbessert sowie die Regeln verständlicher gemacht. "Die Ringer haben gut gearbeitet." Auf der 125. IOC-Session in Buenos Aires wird entschieden, ob Ringen im Programm bleibt, Softball/Baseball zurückkehrt oder Squash neu aufgenommen wird.

Überzeugt ist Rogge, dass trotz der Massenproteste beim Confederations Cup die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro ein Erfolg werden. Allerdings müsse man den Menschen erklären, dass Olympische Spiele mit den großen Investitionen in die Infrastruktur eines Landes ein Erbe für die Zukunft seien und wofür das Geld verwendet werde. "Die Spiele verbessern die Gesellschaft. Das ist die Botschaft, die wir senden müssen." (APA, red, DER STANDARD, 12.7.2013)

  • Rogge: "Spiele verbessern die Gesellschaft."
    foto: epa/bott

    Rogge: "Spiele verbessern die Gesellschaft."

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