Kernenergie verliert weiter an Bedeutung

11. Juli 2013, 17:10
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Die Atomindustrie befindet sich laut einer Studie im Niedergang. Weltweit wurde im Vorjahr um sieben Prozent weniger Strom in Kernkraftwerken erzeugt

Bern - Weltweit wird immer weniger Energie in Kernkraftwerken erzeugt, weil immer mehr Atommeiler heruntergefahren werden. So ist 2012 die produzierte Atomstrommenge im Vergleich zum Jahr davor um weitere sieben Prozent zurückgegangen. Bereits 2011 wurde im Jahresabstand weltweit um vier Prozent weniger Strom in AKWs erzeugt. Das geht aus dem aktuellen World Nuclear Industrie Status Report (WNISR) des Pariser Energieberatungsunternehmens Mycle Schneider hervor, der am Donnerstag im Europaparlament in Brüssel vorgestellt wurde.

427 AKW noch in Betrieb

Weltweit sind laut der Studie derzeit 427 AKWs in Betrieb, 17 weniger als noch vor zehn Jahren. Diese haben zuletzt 2346 Terawattstunden (TWh) Strom produziert, was rund zehn Prozent der Gesamtstrommenge entsprach. Anfang der Neunzigerjahre lag der Anteil an Kernenergie noch bei 17 Prozent.

Rund drei Viertel des weltweiten Rückgangs seien auf die Situation in Japan nach der Erdbebenkatastrophe vom März 2011 zurückzuführen, schreiben die Studienautoren des World Nuclear Industrie Status Report weiter. Als Folge davon sind sämtliche Reaktoren des Landes für Sicherheitsprüfungen abgeschaltet worden. Derzeit sind in Japan lediglich zwei der vormalig 44 Reaktoren in Betrieb. Vier sollen noch in diesem Sommer wieder ans Netz gehen.

Neben Japan haben laut der Studie 16 weitere Länder ihre Atomstromproduktion zurückgefahren - inklusive der fünf großen Atomstaaten USA, Frankreich, Deutschland, Südkorea und Russland. Die Studie selbst wurde von Stiftungen unterstützt - etwa der Schweizerischen Energie-Stiftung oder der Heinrich-Böll-Stiftung.

In den vergangenen zehn Jahren seien zwar 34 neue Reaktoren ans Netz gegangen, gleichzeitig aber 53 heruntergefahren worden, halten die Studienautoren fest. Mit Stand Anfang Juli waren 66 Reaktoren in Bau, sieben mehr als im Juli des Vorjahres. Die durchschnittliche Bauzeit wird mit acht Jahren angegeben. Allerdings machen die Wissenschafter darauf aufmerksam, dass sich neun der 66 Reaktoren seit mehr als zwanzig Jahren und weitere vier seit mehr als zehn Jahren im Station der Entstehung befinden.

Verzögerungen beim Bau

Zudem seien mindestens 23 von Bauverzögerungen betroffen. Und, schreiben die Autoren, 54 Prozent der Projekte hätten kein offizielles, bei der Internationalen Atomenergie-Agentur gemeldetes Datum für den Baubeginn.

Die Bauzeit der 34 neu in Betrieb genommenen Reaktoren betrug laut Report durchschnittlich 9,4 Jahre.

Die Baukostenschätzungen erhöhten sich im vergangenen Jahrzehnt von 1000 Dollar (700 Euro) je Kilowatt installierter Leistung auf 7000 Dollar für ein neues AKW der sogenannten dritten Generation. Das weltweite Durchschnittsalter der Reaktoren in Betrieb liegt bei 28 Jahren. (sda, red, DER STANDARD, 12.7.2013)

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    Schafe vor den Kühltürmen des AKW Grohnde bei Hamel in Deutschland: Weltweit ist die in Kernkraftwerken erzeugte Menge an Strom im Vorjahr um sieben Prozent zurückgegangen.

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