Luxuskonzerne shoppen in Italien

11. Juli 2013, 17:07
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Nach Kaschmirkönig Loro Piana auch Armani, Versace und Cavalli auf Einkaufsliste

Die Einkaufstour der französischen Luxuskonzerne in Italien scheint kein Ende zu nehmen. Nachdem die Gruppe LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) bereits die Luxuspelzwarenfirma der Schwestern Fendi und im Vorjahr den Traditionsjuwelier Bulgari übernommen hatte, ist nun auch der Kaschmirkönig Loro Piana unter die Kontrolle der Franzosen geraten. Zwei Mrd. Euro zahlte LVMH-Gründer Bernard Arnault für 80 Prozent Anteile am Nobelstoffhersteller aus dem norditalienischen Piemont. 20 Prozent bleiben noch in Händen der beiden Brüder Sergio und Pier Luigi, die weiterhin für die Unternehmensleitung zuständig sind.

Italiens Edelmarken wollen wachsen. Dafür brauchen sie Geld. Die Banken sind derzeit mit ihrer Kreditvergabe restriktiv. So haben inzwischen einige wenige wie etwa der auf Kaschmirkleidung fokussierte Unternehmer Brunello Cucinelli oder das Florentiner Modehaus Salvatore Ferragamo den Börsengang gewagt. Beide Luxusunternehmer hatten damit rasanten Erfolg. Die Cucinelli-Kurse haben seit dem Börsendebüt vor knapp einem Jahr gut hundert Prozent, Ferragamo seit dem Börsenstart vor zwei Jahren mehr als 150 Prozent zugelegt. Der Hersteller von Edeldaunenjacken, Moncler, peilt heuer ebenfalls den Gang an die Börse an.

Made in Italy

"Made in Italy avanciert inzwischen zu einem Markenzeichen", sagte Ferragamo-Präsident Ferruccio Ferragamo zum Standard. Er würde sein Unternehmen niemals ins Ausland verkaufen. Doch sei es besser, dass Loro Piana von einem französischen Unternehmen erworben wurde und nicht von einem ausländischen Finanzinvestor oder von einem Staatsfonds. Bei Valentino ist ein arabischer Staatsfonds eingestiegen. Ferragamo: "Die Franzosen wissen den Wert der italienischen Handwerkskunst zu schätzen und belassen die Produktion in Italien."

Tatsache ist, dass LVMH für Loro Piana einen gesalzenen Preis bezahlt hat. Die zwei Mrd. Euro sind mehr als das Vierfache des Umsatzes 2012. Aber nicht nur LVMH, auch Erzrivale François-Henri Pinault, Gründer des Luxuskonzerns Kering, befindet sich auf Shoppingtour in Italien. Nachdem Pinault bereits Modemarken wie Gucci, Bottega Veneta, den Schuhhersteller Sergio Rossi und jüngst den Juwelier Pomellato übernommen hat, ist sein Einkaufshunger bei weitem nicht gesättigt.

Die große Frage ist: Wer wird Italiens Modezar Armani übernehmen. Der Achtzigjährige hat einen Börsengang ausgeschlossen und verfügt über keine direkten Nachkommen. Auch Versace und Cavalli stehen zum Verkauf.

Die Franzosen haben es aber auch auf Luxuskaffeehäuser abgesehen. Das Mailänder Traditionscafé Cova geriet kürzlich unter die Kontrolle des französischen LVMH-Konzerns. Der Gründer von Cova hatte vor 60 Jahren noch im Wiener Sacher das Konditorgewerbe erlernt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 12.7.2013)

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