Reisereklamationen: Herzschmerz und Kokosnuss

Ansichtssache16. Juli 2013, 16:53
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Mit welchen Begründungen Reisekosten zurückgefordert werden, ist zum Teil haarsträubend, zum Teil nachvollziehbar. Wir haben uns ein paar Fälle aus Deutschland und Österreich angesehen, die zeigen, mit welchen oft skurrilen Fällen Reisende, Veranstalter und Gerichte beschäftigt sind.

"Die Rechtslage ist in Deutschland ähnlich wie in Österreich", erklärt Reiserechtsexperte Armin Bammer. "Daher kann man davon ausgehen, dass Urteile von deutschen Gerichten in Österreich ähnlich gefällt werden würden." Allerdings gibt er zu bedenken, dass Gerichtsurteile Einzelfallentscheidungen von Richtern sind und dabei die Ermessensgrundlage einen großen Spielraum zulässt. "Wenn ein Fall bei zehn Gerichten behandelt wird, wird es wahrscheinlich auch zehn unterschiedliche Urteile geben", so Bammer.

Bammer arbeitet als Rechtsanwalt vor allem für Reiseveranstalter und hat als solcher auch schon einige skurrile Reklamationen von Urlaubern in die Kanzlei bekommen. Ob und wie viel man als Tourist auch ohne Gerichtsverhandlung freiwillig zurückerstattet bekommt, hängt zum Großteil vom Veranstalter ab, "einige sind großzügig, andere zurückhaltend". 

"Man erlebt bei Reiserechtsverhandlungen die gesamte Bandbreite des menschlichen Wesens und manchmal tun sich Abgründe auf. Es wird oft sehr emotional und es leider gibt immer wieder auch wirklich tragische Fälle, bei denen Urlaubern schlimmes widerfahren ist", so Bammer. Er ist überzeugt, dass der Anteil von Querulanten, die es auf Streitereien anlegen und um jeden Preis versuchen, einen Teilbetrag des Reisepreises mit fadenscheinigen Argumenten zurück zu erhalten, durchaus beachtlich ist: "Sicher 30 bis 50 Prozent der Fälle vor Gericht.". Außerdem: "Die Richter haben ein sehr gutes Gespür für Querulanten und merken sehr genau, wenn jemand einfach völlig unberechtigte oder sehr überzogene Ansprüche hat." Auf der anderen Seite dürfte es aber auch manche Veranstalter geben, die freiwillig keine Zahlung leisten, obwohl es offensichtlich ist, dass erhebliche Mängel vorgelegen haben.

Wir zeigen einige Fälle von Reklamationen und die Entscheidungen der Gerichte.

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Urlaub auf den Malediven bedeutet Sonne, Strand, Meer - und Kokospalmen. Nun haben es diese Pflanzen aber so an sich, ihre Nüsse abzuwerfen, sobald diese einen gewissen Reifegrad erreicht haben. Grund genug für eine Urlauberfamilie, sich bei der Hotelleitung, nicht aber beim Reiseveranstalter über herabfallende Kokosnüsse zu beschweren. Das holte man zu Hause nach und wiederholte die Beschwerde beim Veranstalter - zu spät. Dem Veranstalter muss nämlich gleich die Möglichkeit gegeben werden, für den weiteren Reiseverlauf eine Verbesserung herzustellen, was aber nur geht, wenn er über einen Mangel informiert wird. Außerdem sah das Oberlandesgericht Koblenz (AZ: 5 U 766/09; 05.10.2009) in den fallenden Nüssen keine Beeinträchtigung der Reise, und der Kläger ging leer aus.

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