Obdachlosen-Zentrum "Josi" in Wien eröffnet wieder

11. Juli 2013, 15:52
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Einrichtung bietet täglich bis zu 100 Obdachlosen Unterstützung - Anfang August Rückkehr in die U6-Station Josefstädter Straße

Nach zwei Jahren im Meidlinger Exil kehrt die "Josi", ein Wiener Tageszentrum für obdachlose Menschen, zurück in die frisch renovierten alten Räumlichkeiten in der U6-Station Josefstädter Straße. Ab Anfang August sollen die Türen der Einrichtung wieder täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein. Bis dahin sind noch kleinere Renovierungsarbeiten notwendig.

Am Donnerstag wurde die Wiedereröffnung in Anwesenheit von Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ), Fonds-Soziales Wien-Geschäftsführer Peter Hacker und Wieder-Wohnen-Geschäftsführerin Monika Wintersberger-Montorio vorab mit einer Vernissage gefeiert.

Erholungsraum vom Leben auf der Straße

Die Josi soll Obdachlosen einen Erholungsraum vom Leben auf der Straße bieten. Wer die Einrichtung besucht, kann dort schlafen, kochen, duschen, Wäsche waschen und Post empfangen. Drei Sozialarbeiter und drei Betreuer stehen den Gästen täglich zur Seite.

Bis zu hundert Menschen können das Angebot pro Tag annehmen. Die Einrichtung bietet darüber hinaus Hilfestellung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche sowie bei medizinischen und psychischen Problemen.

Gute Zusammenarbeit aller Beteiligten

"Mit der Josi haben wir die Erfahrung gemacht, dass verschiedenste Kräfte von den verschiedensten hierarchischen Ebenen auf ein Ziel hinarbeiten, wir haben gelernt, was Partnerschaft bedeutet", sagte Tageszentrums-Leiter Alexander Minich anlässlich der Wiedereröffnungsfeier und verwies auf die Zusammenarbeit mit dem Fond Soziales Wien, den Wiener Linien und den Bezirken.

"Die Josi arbeitet gemeinsam mit Obdachlosen auf einen Neubeginn hin. All das kann aber nur funktionieren, wenn wir Partnerschaften eingehen, die ein Netzwerk für diesen Wiedereinstieg bilden", sagte Wintersberger-Montorio. 

Wegen der Bauarbeiten an der Station Josefstädter Straße war der Umzug vor zwei Jahren kurzfristig notwendig geworden. Ohne die Unterstützung der Wiener Linien und des Bezirks Meidling wäre es unmöglich gewesen, so schnell ein Ersatzquartier für das Tageszentrum zu finden, so Wintersberger-Montorio.

48 Millionen Euro jährlich für die Wiener Wohnungslosenhilfe

Auch Wehsely betonte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: "Wien ist eine starke, soziale Stadt. Die Unterstützung für die Schwächsten zeigt sich auch durch den solidarischen Schulterschluss, mit dem hier alle zusammengeholfen haben, damit das soziale Netz hält."

Rund 48 Millionen Euro wendet die Stadt Wien jährlich im Rahmen der Wiener Wohnungslosenhilfe auf, zu deren Angebot die Tageszentren gehören.

Vernissage "Häutungen - von der Straße zur Kunst"

Anlässlich der Wiedereröffnung werden Werke gezeigt, die Besuchern des Tageszentrums im Rahmen einer Kooperation mit dem Kunsthaus Wien angefertigt haben. Der Arbeitstitel "Häutungen - von der Straße zur Kunst" spielt auf eine Aussage Friedensreich Hundertwassers an: Demnach besitzt der Mensch mehrere Häute, vom Körper über die Kleidung bis zu seiner Umwelt - und er kann nur dann überleben, wenn er diese Hüllen auch kreativ gestalten darf. (Juni, derStandard.at, 11.7.2013)

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