Jugendanwaltschaft von Ministeriumsvorschlag überrascht

11. Juli 2013, 14:01
4 Postings

Das Justizministerium will die Kinder- und Jugendanwaltschaft bei Festnahmen von Jugendlichen hinzuziehen - Anwältin Pinterits: Verbesserungen auch ohne großen finanziellen Aufwand

Wien - Die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist von dem Vorstoß Michael Schwandas, Sektionschef für den Strafvollzug im Justizministerium, offenbar überrascht worden. Schwanda hatte sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, dass künftig nach der Festnahme und Überstellung von Jugendlichen in eine Justizanstalt unverzüglich Vertreter der Jugendgerichtshilfe oder der Kinder- und Jugendanwaltschaft beigezogen werden. Die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits meinte dazu am Donnerstag: "Man muss schauen, ob wir das leisten können."

Expertin empfiehlt Kooperation mit Psychiatrie

Prinzipiell sei es so, dass viele Verbesserungen auch ohne großen finanziellen Aufwand zu erreichen wären, sagte Pinterits. Als einen der wesentlichsten Punkte nannte sie die Entwicklung von Kooperationsformen. So sei etwa die Psychiatrie einzubinden, da viele Jugendliche psychiatrische Betreuung benötigen würden. Eine Möglichkeit sei eine Kooperation der Jugendwohlfahrt mit der Psychiatrie.

"Möglichst nicht einsperren"

"Wir müssen grundsätzlich schauen, dass möglichst nicht eingesperrt wird", erklärte Pinterits. Natürlich gebe es "Hardcore-Geschichten": Deutschen Studien zufolge würden etwa zehn Prozent der straffällig gewordenen Kinder und Jugendlichen zu Wiederholungstätern, so die Kinder- und Jugendanwältin. Gewisse Entwicklungen würden schon sehr früh auffällig, auch schon im Kindergarten. Es gehe darum, diese Delinquenz zu unterbrechen. Dafür sei ein sehr auf die jeweilige Person abgestuftes Verfahren notwendig.

Einbindung bisher anlassbezogen

Bisher wurde die Kinder- und Jugendanwaltschaft anlassbezogen in die Jugendgerichtsbarkeit einbezogen: "Wir steigen immer ein, wo es nichts gibt, und steigen wieder aus, wenn etwas da ist", beschrieb Pinterits die Vorgangsweise. Ob und wie sehr die Kinder- und Jugendanwaltschaften in Zukunft in den Gerichtsprozess eingebunden werden können, hängt von den konkreten Anforderungen ab. "Zunächst muss man herausfinden, was man von uns will. Und dann müssen wir schauen, ob wir das leisten können."

Jedenfalls wolle sie keine geschlossenen Heime wie in der Schweiz: "Das ist ein anderes Wort für Gefängnis", so Pinterits. Sie appellierte, bei diesem Thema den Verstand einzusetzen. Man benötige keine Experten, um herauszufinden, "was passiert, wenn ich vier Kids in einer Zelle zusammensperre". (APA, 11.7.2013)

Share if you care.